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Carlismus
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Der Carlismus (auch Karlismus) ist eine monarchistische politische Strömung in Spanien, deren AnhĂ€nger die LegitimitĂ€t der Thronfolge der spanischen Königin Isabella II. (1833–1868) bestreiten und fĂŒr das Thronrecht ihres Onkels Carlos MarĂ­a Isidro von Bourbon beziehungsweise der ihm nachfolgenden ThronprĂ€tendenten aus seiner dynastischen Seitenlinie eintraten, die mit Alfonso Carlos von Bourbon im mĂ€nnlichen Zweig 1936 ausstarb. Dies fĂŒhrte allerdings nicht zum Ende der carlistischen Bewegung. Seit 1952 favorisiert eine Mehrheit der Carlisten die ThronanwĂ€rter aus der auf Francisco Javier von Bourbon-Parma zurĂŒckgehenden Seitenlinie des Hauses Bourbon-Parma.

Von diesen vordergrĂŒndigen dynastischen Zielen abgesehen bildeten die Carlisten ĂŒber lange Zeit eine der Hauptparteien in dem innerspanischen Kulturkampf, der sich von der napoleonischen Besatzung bis zum Spanischen BĂŒrgerkrieg von 1936 hinzog und in immer neuen BĂŒrgerkriegen ausgefochten wurde, von denen die sogenannten Carlistenkriege ein Teil waren. In diesem Kulturkampf standen die Carlisten mit ihrer reaktionĂ€r-absolutistischen, entschieden katholischen und auf die traditionellen partikularistischen Sonderrechte der spanischen Einzelreiche und Regionen bedachten Weltanschauung gegen die zentralistischen liberalen Ideen jener KrĂ€fte, auf die sich die isabellinische Monarchie stĂŒtzte. Die personellen, kulturellen und ideologischen Verbindungen zwischen der carlistischen Bewegung und weiteren konservativen politischen Strömungen in Spanien wie dem katholischen Integralismus, dem Franquismus und dem partikulĂ€ren Nationalismus sind vielschichtig und nicht widerspruchsfrei.

Contents

‱ Allgemeines
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Belletristik
‱ Weblinks

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Entstehung der carlistischen Bewegung

Der Konflikt zwischen Liberalen und Absolutisten

1808 hatte Spanien vor Napoleon I. kapituliert, konnte ihn und seine Herrschaft aber in einem grausamen Guerillakrieg mit englischer UnterstĂŒtzung vertreiben. Dieser Widerstand gegen die französische Besatzung ging nicht vom König aus, vielmehr hatte das Volk – in Ermangelung funktionierender zentraler politischer Institutionen – selbst Juntas und RĂ€te zur Organisation der Verteidigung gegen die bonapartistische Besatzung ins Werk gesetzt. Als die Cortes Generales im Jahr 1810 in CĂĄdiz zusammentraten, um eine Verfassung zu beschließen, waren sie ebenso wenig vom König einberufen worden. Diese Erfahrungen machten auf große Teile des spanischen Volks bleibenden Eindruck.

Ferdinand VII. bestieg den spanischen Thron und versuchte trotz aller zwischenzeitlich eingetretenen Ereignisse, an den Cortes vorbei absolutistisch weiterzuregieren. Eine liberale Verfassung wurde 1820 infolge eines pronunciamiento von der Armee erzwungen, wobei die Inquisition abgeschafft und erneut die Cortes einberufen wurden. Die liberale Mehrheit in den Cortes setzte zunĂ€chst neben einem Presse- und Vereinsgesetz auch die Aufhebung der Klöster (bis auf vierzehn) und die Unterwerfung der Geistlichkeit unter die staatliche Besteuerung durch. Als die radikalen Liberalen, die „Exaltados“ (denen nach Salvador de Madariaga „die weise Kunst des Wartens ab[ging]“,cite-ref-1[1]) 1822 die Mehrheit in den Cortes erlangten, beschlossen sie eine Reihe weiterer radikaler Gesetze, deren Umsetzung jedoch der König nach Möglichkeit behinderte und die Stimmung im Volk dieses radikale Vorgehen nicht guthieß.

Doch schon drei Jahre nach der Wiederannahme der Verfassung (dem „Liberalen Triennium“ oder, wie die Absolutisten sie nannten, den „drei sogenannten Jahren“) wurde diese Verfassung durch eine von Ferdinand selbst herbeigerufene französische Invasion der „Hunderttausend Söhne des heiligen Ludwig“ wieder kassiert. Louis XVIII. von Frankreich wollte mit seiner Intervention allerdings den Absolutismus nicht wiederherstellen, sondern hatte Ferdinand VII. das Versprechen abgenommen, seinem Volk eine charte, also ein gemĂ€ĂŸigtes Grundgesetz, einzurĂ€umen. Als Ferdinand sich nicht daran hielt, bestand Louis, um sein Gesicht wahren zu können, darauf, dass wenigstens die Inquisition nicht wieder eingerichtet werden dĂŒrfe, und veranlasste Ferdinand, seinen Kirchenminister VĂ­ctor DamiĂĄn SĂĄez (1776–1839) zu entlassen.

Im weiteren Kampf um eine Verfassung standen sich als Kontrahenten im Wesentlichen die liberale, sehr stark freimaurerisch geprĂ€gte und die Ideen der Französischen Revolution favorisierende Armee und die konservativ eingestellte Kirche gegenĂŒber. Die Positionen beider Parteien waren unvereinbar.

Die konservative Partei war vom hergebrachten Bild des Königs ĂŒberzeugt, welcher sein Amt von Gottes Gnaden hielt und als Gottes Schild und Schwert auf Erden wirkte. Indem der Monarch SouverĂ€n war, war Gott der SouverĂ€n: Monarchismus und Religion waren fĂŒr die Absolutisten – und zumal fĂŒr die spanischen – untrennbar ineinander verschrĂ€nkt. Daher war eine vertragliche Vereinbarung, welche das VerhĂ€ltnis des Monarchen zu seinem Volk zu regeln unternahm, nach ihrem Empfinden zugleich eine MajestĂ€tsbeleidigung und eine GotteslĂ€sterung. Der König schwor einen Eid bei seiner Krönung, und ebenso schwor er oder vielmehr sein Vertreter, im Falle etwa des Baskenlands unter der Eiche von Guernica, die alten Vorrechte der nichtkastilischen Regionen zu achten. Die Absolutisten sahen demgemĂ€ĂŸ keinen Vorteil darin, eine Verfassung, welche Menschenwerk war und mit einem Federstrich geĂ€ndert werden konnte, dem unabĂ€nderlichen und vor Gott geschworenen Eid vorzuziehen. Das spanische monarchische Ideal stand hierbei weniger nach dem bourbonischen Absolutismus französischen Vorbilds nach Art einer Regierung des nostre bon plaisir, sondern – Salvador de Madariaga zufolge – weit eher nach der Regierungsweise der Habsburger, welche darin bestand, politische Ideen und Institutionen wie vor allem den spanischen König in einer Weise in Personen verkörpert zu sehen, dass alle Verehrung, alle etwaigen religiösen Attribute nicht der Person, sondern dem Amt zukamen. Dem Amt des Königs war Ehrfurcht geschuldet, soweit und solange er es pflichtgemĂ€ĂŸ ausfĂŒllte und somit als christlicher König anzusehen war.cite-ref-2[2]

Selbst von dieser religiösen Komponente abgesehen bedeutete eine Verfassung der von den liberalen KrÀften vorgesehenen Art die Errichtung eines Zentralstaats nach französischem Vorbild, was die Absolutisten ablehnten. Spanien war von jeher einem Staatenbund Àhnlicher als einem Staat.cite-ref-3[3] Gemeinsame Institutionen aller Landesteile waren im Wesentlichen nur der König in Kastilien und die katholische Kirche gewesen, wÀhrend die Regionen ihre eigenen Institutionen und ihr althergebrachtes Sonderrecht gepflegt hatten.

Die Liberalen dagegen empfanden das geistige Klima in Spanien, welches dem freien Gedanken und freien Wort entgegenstand, als drĂŒckend und arm. Sie sahen mit Bedauern, dass ihr Land bereits seit langem von Europa isoliert war und nach ihrem Empfinden in seiner geistigen Entwicklung anderen Nationen nachstand. Aus diesem Grund standen sie fĂŒr die Ideale der Französischen Revolution ein und wĂŒnschten, dass diesen auch in ihrem Lande zum Durchbruch verholfen werden sollte. Bereits seit dem 18. Jahrhundert in Freimaurerlogen organisiert, vertrat 1810 beim Zusammentreten der Cortes von CĂĄdiz die absolute Mehrheit der Abgeordneten dieser Versammlung eine liberale Politik. Das Liberale Triennium war vor allem das Werk der spanischen Freimaurerei gewesen. In diesen drei Jahren verbreiteten sich die Logen in einem Maße, dass sie zur fĂŒhrenden Kraft des Mittelstands wurden. Von da an stellten die Logen der Liberalen „die Internationale des revolutionĂ€ren Mittelstandes in ihrem Kampf gegen feudale und religiöse Institutionen“ cite-ref-4[4] dar. Im MilitĂ€r ĂŒbten die Liberalen einen besonders starken Einfluss aus, und viele pronuniciamientos der folgenden Jahrzehnte waren auf die TĂ€tigkeit von Angehörigen der MilitĂ€rlogen zurĂŒckzufĂŒhren. Nach den Vorstellungen der Liberalen sollte Spanien, wie andere europĂ€ische LĂ€nder es bereits getan hatten, sein VerhĂ€ltnis zum König nach Art eines Gesellschaftsvertrags regeln und zum Vorteil aller die Befugnisse des Monarchen, der Cortes und anderer Verfassungsorgane klar festlegen. Zu einer nach liberaler Auffassung ĂŒberfĂ€lligen Reform des spanischen Staatswesens gehörte die Ordnung und Straffung der unĂŒbersichtlichen staatsrechtlichen Konstruktion des Landes.

Die Pragmatische Sanktion und die Nachfolge Isabellas II.

Die Zeichen, die einen ernsten Konflikt zwischen Absolutisten und Liberalen ankĂŒndigten, mehrten sich bereits zu Lebzeiten Ferdinands. WĂ€hrend seiner weiteren absolutistischen Herrschaft bildete sich bei den AnhĂ€ngern des Absolutismus unter FĂŒhrung VĂ­ctor SĂĄez’ eine radikale Gruppe, die sogenannten ApostĂłlicos, welche die WiedereinfĂŒhrung der Inquisition forderten. Die ApostĂłlicos waren glĂŒhende AnhĂ€nger Don Carlos’, des Bruders Ferdinands. Infante Carlos MarĂ­a Isidro hatte sich durch besondere Frömmigkeit und strikten Antiliberalismus hervorgetan. Diese Gruppe kann als ein VorlĂ€ufer des Carlismus angesehen werden. In den Jahren zwischen der Aufhebung der Verfassung und der spĂ€teren WiederannĂ€herung Ferdinands an die Liberalen um 1830 hatte dieser Kreis um Carlos erhebliche Macht inne. So konnten die ApostĂłlicos die Entlassung mehrerer Minister durchsetzen, wenngleich auch nicht die WiedereinfĂŒhrung der Inquisition, da die französischen Besatzungstruppen im Lande, die bis ins Jahr 1828 in Spanien verblieben, die Umsetzung einer solchen Maßnahme einstweilen nicht ratsam erscheinen ließen.

Auch die Liberalen radikalisierten sich immer mehr und wurden antiklerikal mit einer besonderen Abneigung gegen Ordensgeistliche. FĂŒr religiöse Belange hatten sie wenig VerstĂ€ndnis und wollten auch keines aufbringen. Vielmehr fassten sie die Religion und den Klerus als ernstes und – in dem Maße, in dem sie radikaler wurden – als zu beseitigendes Hindernis fĂŒr die Errichtung eines modernen und freien Spaniens auf.

Die Bruchstelle des kĂŒnftigen Konflikts der zwei Teile der spanischen Gesellschaft zeichnete sich schon 1830 ab. Don Carlos, der Bruder Ferdinands, dessen Gesundheit sich unter seiner ausschweifenden LebensfĂŒhrung immer weiter verschlechterte und der heftig unter der Gicht litt, beanspruchte die Nachfolge des Königs, dem in seinen vier Ehen kein Sohn geschenkt worden war. Die ApostĂłlicos gaben sich in anmaßender Weise siegesgewiss und sahen in Carlos allzu offen den kĂŒnftigen König. Bereits im Zuge eines Aufstands, der 1827 Katalonien erfasste und der von einer weiteren radikalabsolutistischen Gruppe initiiert worden war, die sich Agreugats („GekrĂ€nkte“) nannte, wurde Carlos zum König ausgerufen. Ferdinand ging jedoch mit Entschlossenheit gegen diese Bewegung vor, und Carlos musste abwinken, um nicht den Vorwurf des Hochverrats zu riskieren.

Ferdinand hatte seine einzige Tochter Isabella II. 1830 im Rahmen einer Pragmatischen Sanktion (PragmĂĄtica SanciĂłn) unter Abschaffung der Salischen Erbfolge und RĂŒckkehr zur alten spanischen Erbfolge als Thronerbin bestimmt. Dies geschah, indem Ferdinand einen 1789 von den Cortes eingebrachten Antrag auf Herstellung der alten Thronfolgeregelung – den der damalige König Carlos IV. nicht als Gesetz hatte verkĂŒnden lassen und der seitdem ruhte – mehr als 40 Jahre spĂ€ter nachtrĂ€glich genehmigte.

Die in Spanien von König Philipp V. im Jahr 1713 eingefĂŒhrte Salische Erbfolge sah die Thronfolge von Frauen nur dann vor, wenn mĂ€nnliche Thronerben auch in keiner Seitenlinie mehr vorhanden waren. Philipp V., erster spanischer Bourbone, hatte diese Thronfolgeregelung am 13. Mai 1713 auf Druck der ĂŒbrigen europĂ€ischen MĂ€chte nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekriegs anstelle der auf das Königreich Kastilien zurĂŒckgehenden Regelung eingefĂŒhrt. Damit sollte verhindert werden, dass die beiden bourbonischen Kronen Spaniens und Frankreichs in einer Hand vereinigt werden konnten.

Um diese Pragmatische Sanktion, die unter Abkehr vom Salischen Gesetz die Thronfolge Isabellas vorbereitete, im eigenen Lande umsetzen zu können, machte Ferdinand den Liberalen ZugestĂ€ndnisse, etwa indem er die Regierung auswechselte und ein gemĂ€ĂŸigt-absolutistisches Kabinett berief. Die Liberalen, die einer Thronfolge Carlos’ mit Schrecken entgegensahen, waren unter diesen UmstĂ€nden gerne bereit, Isabella als Prinzessin von Asturien anzuerkennen. Carlos sah die Gefahr, und nachdem ein Anschlag seiner AnhĂ€nger auf das Leben des Königs erfolglos geblieben war, presste man dem 1832 schwer erkrankten Ferdinand den Widerruf der Pragmatischen Sanktion ab, welche er nach seiner Genesung allerdings umgehend zurĂŒcknahm.

Ferdinand sollte recht behalten, als er im Jahre 1832 den folgenden Vergleich zog: „Spanien ist eine Bierflasche, und ich bin der Pfropfen. Wenn ich herausspringe, wird sich der gesamte Inhalt in Gott weiß welche Richtung ergießen“.cite-ref-5[5] Bereits unmittelbar nach Ferdinands Tod im Jahr 1833 entzĂŒndete sich der unablĂ€ssige Konflikt zwischen Liberalen und Absolutisten, der bereits seit vielen Jahren an einen BĂŒrgerkrieg grenzte, an der Frage der Nachfolge Ferdinands. Don Carlos sah Isabellas Thronfolge als Raub seiner ThronansprĂŒche an, wofĂŒr er durch Ferdinand nach Portugal ausgewiesen wurde. Er wurde von der Kirche und regionalen Autonomisten des Nordens und Nordostens unterstĂŒtzt. Als die Cortes der dreijĂ€hrigen Isabella huldigten und die Königinmutter MarĂ­a Cristina die Regentschaft ĂŒbernahm, fĂŒhrte der Aufruf des Bischofs von LeĂłn und der Jesuiten, zu den Waffen zu greifen, zur Sammlung der Absolutisten unter dem Banner Don Carlos’, der sich selbst zum rechtmĂ€ĂŸigen König erklĂ€rte, und damit zur Entstehung der Carlistenbewegung und sofort zu offenem Kriegszustand in Spanien.

Die Carlistenkriege

Alle drei carlistischen Kriege begannen als Guerillakriege, und regulĂ€re Armeeeinheiten fanden sich in keinem Falle von Beginn an auf carlistischer Seite. In allen FĂ€llen standen sich auch in den carlistischen Hochburgen die von unabhĂ€ngigen Kleinbauern geprĂ€gten lĂ€ndlichen Gebiete und die mit wenigen Ausnahmen weitgehend liberal gesinnten StĂ€dte gegenĂŒber. Nur der Dritte Carlistenkrieg war eine von planender Hand eingeleitete Erhebung, die anderen begannen als AufstĂ€nde. Bald entstanden jeweils mehr oder weniger zusammenhĂ€ngende und sich bekĂ€mpfende carlistische und regierungstreue Territorien mit einer Frontlinie und Armeen. Hierbei bildete die territoriale Basis der Carlisten (insbesondere Navarra, die Rioja, das Baskenland, Katalonien und der nördliche Teil der Provinz Valencia) jeweils bald eigene staatliche Strukturen herauscite-ref-6[6] – mit Ausnahme des zweiten Carlistenkrieges, in welchem das nicht der Fall war.

Der Erste Carlistenkrieg (1833–1840)

Der Erste Carlistenkrieg, ein erster spanischer BĂŒrgerkrieg und zusammen mit den weiteren Carlistenkriegen der letzte grĂ¶ĂŸere europĂ€ische Konflikt mit dem Ziel der Inthronisierung eines PrĂ€tendenten, brach am 5. Oktober 1833, nur sechs Tage nach Ferdinands Tod, mit einem Aufstand in den drei baskischen Provinzen aus. Von hier breitete er sich ĂŒber Navarra, die Rioja, Aragon, Katalonien, Valencia und sogar Teile der Extremadura und Andalusiens aus. Die Carlisten konnten in Nordspanien (abgesehen von den Festungen des Gebiets) vorĂŒbergehend ihre eigene Herrschaft aufrichten. Die Kampfhandlungen zogen sich ĂŒber volle sieben Jahre bis 1840 hin.

Ziele des Ersten Carlistenkriegs

Der Erste Carlistenkrieg hat viele Facetten und wurde von beiden Seiten aus vielen Motiven heraus gefĂŒhrt. Es handelte sich bei diesem Krieg um einen Krieg um die Verteidigung der Religion und des Klerus, einen Krieg um die Macht in Spanien und die kĂŒnftige Verfasstheit des Landes und um einen Sezessionskrieg derjenigen spanischen Randgebiete, die auf carlistischer Seite standen – vor allem aber handelte es sich um einen Kulturkampf zwischen Staat und Kirche.

Die spanischen Liberalen und das MilitĂ€r, als „Cristinos“ oder auch „Isabelinos“ bezeichnet, arbeiteten auf eine entschiedene Forcierung eines zentralistischen Aufbaus des Staats und die Unterordnung der Kirche unter den Staat hin. Sie kĂ€mpften fĂŒr den Anspruch Kastiliens auf die Herrschaft ĂŒber die ganze iberische Halbinsel – und somit auch gegen die Sonderrechte der Randgebiete. Die Regentin MarĂ­a Cristina von Sizilien und ihre Tochter Isabella hatten keine andere Wahl, als sich vollends auf diese in sich heterogenen Gruppierungen, welche man unter der Bezeichnung der konstitutionellen Monarchisten zusammenfassen könnte, zu stĂŒtzen, wenn sie politisch ĂŒberleben wollten. Der Preis der UnterstĂŒtzung durch die Liberalen, die Ausarbeitung und VerkĂŒndung einer Verfassung fĂŒr Spanien, stand von vornherein fest, wenngleich dieser nicht MarĂ­a Cristinas Überzeugung entsprach. Die selbst absolutistisch gesinnte Königinmutter wurde lediglich durch Carlos’ Angriff im Norden daran gehindert, die Liberalen umgehend wieder aus dem Zentrum der Macht zu vertreiben. Da sich die Absolutisten selbst im Wege standen, triumphierten die Liberalen. 1834 verfĂŒgte die Regentin Maria Cristina einen königlichen Freibrief: Spanien war damit praktisch zu einer konstitutionellen Monarchie geworden. 1836 zwang der Aufstand eines Armeeregiments, welches nach dem Königspalast zog, MarĂ­a Cristina endgĂŒltig zur Anerkennung der Verfassung von 1812.

Eine konstitutionelle Monarchie wollten vor allem diejenigen eigenstĂ€ndigen spanischen Randgebiete wie vor allem das Baskenland eben verhindern, welche ihre alten Rechte weitgehend ungeschmĂ€lert hatten bewahren können und nun nicht nur um ihre Autonomie, sondern auch um ihren Bestand als geschichtlich gewachsene territoriale Einheiten zu fĂŒrchten hatten. Nur durch Carlos glaubten diese Regionen mit ihrem traditionellen Sonderstatus innerhalb Spaniens, ihre Rechte (die fueros) bewahren zu können.

Diese fueros bestanden etwa im Baskenland, wo sie seit jeher am weitreichendsten gewesen waren, in einem eigenen Parlament (in Guernica), einem eigenen MĂŒnzwesen sowie in einer eigenen Verwaltungs-, Zoll- und Steuerhoheit und in der Befreiung vom spanischen MilitĂ€rdienst. Ohne baskische Erlaubnis durften die Truppen des Königs ihr Land nicht passieren.

Die Gebiete, welche sich auf Carlos’ Seite stellten, waren darum namentlich Navarra, Aragon, Katalonien, die lĂ€ndlichen Gebiete des Baskenlandes – und selbst Teile Altkastiliens. Nach carlistischem Empfinden war selbst der durch die Bourbonen herbeigefĂŒhrte staatsrechtliche Zustand zu zentralistisch und daher zu ĂŒberwinden. So verlangte Katalonien, welches kaum noch eigene fueros hatte, seine alten Rechte zurĂŒck. Diese waren ihm vom ersten Bourbonenkönig nach dem Spanischen Erbfolgekrieg genommen worden, weil es sich unter den Schutz Frankreichs gestellt hatte.

Eine Verfassung aber drohte infolge der zentralistischen und uniformistischen Bestrebungen der Liberalen, Spanien unwiderruflich zu einem Zentralstaat umzuwandeln. Und in der Tat beschlossen die Liberalen im Real Decreto de 30 de noviembre 1833 cite-ref-7[7] nach französischem Vorbild die Aufteilung Spaniens in Provinzen, womit die alten Gliedstaaten des spanischen Staats von der Landkarte verschwinden sollten.

Die Frage nach der kĂŒnftigen Verfasstheit aber fĂŒhrte zwangslĂ€ufig zu einem Kulturkampf des Staates gegen die Kirche. Das alte System war von der Kirche nicht zu trennen und ohne sie nicht einmal zu denken, da abgesehen vom Amt des Königs die Kirche in der Vergangenheit die einzige gesamtspanische Institution gewesen war. Sie war der Kitt zwischen dem halben Dutzend ansonsten unabhĂ€ngiger Staaten, aus denen sich Spanien zusammensetzte und die unter der Herrschaft der Habsburger allesamt ihre eigenen Verwaltungen, ihre eigenen Cortes und eigene Gesetze gehabt hatten. Hieran hatte sich auch unter den Bourbonen nichts Grundlegendes geĂ€ndert, obgleich diese mit Antritt ihrer Herrschaft den Gliedstaaten mit Ausnahme des Baskenlands die fueros weitgehend genommen hatten. Diese staatliche Verfasstheit stand und fiel mit der Stellung und der Macht der Kirche. Daher kann gesagt werden, dass die Carlisten die Waffen fĂŒr die Selbstbehauptung der Kirche innerhalb des spanischen Staats ergriffen.

Ablauf des Ersten Carlistenkriegs

An der Spitze der carlistischen Truppen, der so genannten RequetĂ©s, stand TomĂĄs de ZumalacĂĄrregui aus Ormaiztegi in GuipĂșzcoa, der sich bereits 1820 auf die Seite der Gegner des liberalen Trienniums geschlagen hatte. Er formte aus den zunĂ€chst schlecht ausgebildeten und bewaffneten carlistischen KĂ€mpfern eine regulĂ€re Armee. Hierzu war er zunĂ€chst weitgehend auf von den Regierungstruppen erbeutetes Material angewiesen, da die Regierung die spanischen HĂ€fen und damit die Nachschubwege der Carlisten blockierte. Zu Beginn des Ersten Carlistenkriegs konnten die Carlisten trotz dieses Nachteils beachtliche Erfolge erzielen, und wĂ€hrend der meisten Zeit sahen sich die Regierungstruppen – die sich zumeist aus unmotivierten und knapp gehaltenen Eingezogenen unter der FĂŒhrung eines oft wenig fĂ€higen Offiziersstabs zusammensetzten – in der Defensive. ZumalacĂĄrregui kontrollierte bald ganz Navarra und das ganze Baskenland mit Ausnahme der Festungen. Damit zog er sich allerdings den Argwohn des PrĂ€tendenten zu, welchen das gewaltige Ansehen, das ZumalacĂĄrregui bei den Soldaten genoss, in Sorge versetzte.

Die GrĂ€uel, welche die einander mit großer Unerbittlichkeit gegenĂŒberstehenden Parteien sich gegenseitig wie auch unbeteiligten Zivilisten zufĂŒgten, waren von einer solchen Grausamkeit, dass andere europĂ€ische MĂ€chte Cristinos und Carlisten im Rahmen des „Lord Elliot Agreement“ zur Einhaltung gewisser Standards der KriegfĂŒhrung bewegen mussten. Carlos hatte bereits zu Beginn der Feindseligkeiten verfĂŒgt, dass jeder Spanier, der sich nicht unter seinem, Carlos’, Kommando erhebe, ungeachtet aller GrĂŒnde, welche er dafĂŒr auch anfĂŒhren mochte, zu töten sei. Dem entsprach spĂ€ter das „Dekret von Durango“, wonach alle aufgegriffenen auslĂ€ndischen Kombattanten der Gegenseite ohne weiteres zu erschießen waren. Da die Carlisten nicht auf die staatliche Infrastruktur zurĂŒckgreifen konnten, sondern sich aus dem Lande versorgen mussten, richteten sich mit der Zeit GewalttĂ€tigkeiten von zu Banden herabgesunkenen carlistischen FreischĂ€rlern auch gegen die spanische Bevölkerung, und viele militĂ€rische Aktionen wurden hauptsĂ€chlich zu dem Zweck durchgefĂŒhrt, Geld aus der Bevölkerung zu pressen.

Die Cristinos hingegen nahmen den Ausbruch der Cholera wĂ€hrend des Krieges zum Anlass, zu verbreiten, die „Mönche“ hĂ€tten die Brunnen vergiftet. Als der Mob das Feindbild begeistert aufgriff und die Klöster stĂŒrmte, kamen ĂŒber hundert katholische Ordensleute ums Leben. Zwei Jahre nach Kriegsausbruch, im Juli 1835, ließ die Regentin die Gesellschaft Jesu verbieten und schloss außerdem im Oktober desselben Jahres auf Betreiben des Bankiers und spĂ€teren Premierministers Juan Álvarez MendizĂĄbal durch ihr ley desamortizado eine Anzahl von Konventen. Was ein Akt der Beschwichtigung der kirchenfeindlichen stĂ€dtischen Massen sein sollte, wurde im Gegenteil zu einem bis dahin beispiellosen Klostersturm. Hunderte von Klöstern wurden niedergebrannt und zahlreiche Ordensangehörige und Kleriker verloren ihr Leben. Die GewaltausbrĂŒche gegen den Klerus haben viel zur Bitterkeit zwischen den spanischen Parteien beigetragen und wurden ein Leitmotiv des spanischen Kampfes der Liberalen gegen die Konservativen, das ĂŒber die Semana TrĂĄgica bis hin zum Spanischen BĂŒrgerkrieg noch oft neu inszeniert werden sollte.

1835 schien die Sache der Cristinos verloren zu sein. ZumalacĂĄrregui kontrollierte fast ganz Spanien nördlich des Ebro, und seine Armee umfasste 30.000 Mann, deren Kampfkraft und Moral weit besser war als die der Regierungstruppen. In Andalusien drang der carlistische General Gomez vor. ZumalacĂĄrregui plante nun, seine KrĂ€fte zusammenzuziehen und direkt auf Madrid zu marschieren – ein Plan, der, wenn er umgesetzt worden wĂ€re, gute Aussichten gehabt hĂ€tte, dem PrĂ€tendenten die Kontrolle ĂŒber die Hauptstadt zu verschaffen. Carlos (V.) wĂŒnschte allerdings zur Lösung der Nachschubfrage zunĂ€chst die Kontrolle ĂŒber einen Seehafen zu erlangen, und so wurde ZumalacĂĄrregui angewiesen, Bilbao zu belagern. ZumalacĂĄrregui zog sich hierbei am 14. Juni 1835 eine an sich ungefĂ€hrliche Wunde an seiner Wade zu, als er von einer verirrten Kugel getroffen wurde. Er verlangte nach seinem englischen Leibarzt, der diese Wunde wohl unschwer hĂ€tte kurieren können, doch sandte ihm Carlos seine eigenen Ärzte, unter deren Behandlung ZumalacĂĄrregui am 24. Juni 1835 starb. Unter den Carlisten wurden deshalb GerĂŒchte laut, dass ZumalacĂĄrregui vergiftet worden sei.

Der Erste Carlistenkrieg zeigt auch insoweit Parallelen zum Spanischen BĂŒrgerkrieg von 1936, als sich auf beiden Seiten gewissermaßen Internationale Brigaden zeigten. Beide Parteien des gerade in den Jahren vor Ausbruch des Ersten Carlistenkriegs in Portugal ebenfalls zwischen Liberalen und Absolutisten ausgetragenen Miguelistenkriegs griffen in den Krieg ein, um der jeweils eigenen Sache auf der spanischen Seite beizustehen. Auf carlistischer Seite bildeten portugiesische Einheiten sogar eine eigene Kompanie. Ferner galt die Sympathie der Heiligen Allianz der Carlistenbewegung. Unter den deutschen Freiwilligen war August von Goeben, der es bis zum Oberstleutnant der Carlisten brachte. Auch einige englische Freiwillige schlossen sich den Carlisten an, und manche englische Tories lieferten Waffen und erschienen zu Besuchen in Carlos’ Lager, wobei sie aber nach VerkĂŒndung des Dekrets von Durango ihre Hilfe wieder einstellten.cite-ref-8[8] Auf der Seite der spanischen Regierung hingegen griffen britische Hilfstruppen mit fast 10.000 Mann und die französische Fremdenlegion unter Colonel Bernelle in die KĂ€mpfe ein. Die Fremdenlegion verzeichnete jedoch so viele Deserteure, dass die Carlisten aus ihnen eine eigene Truppe, die sogenannten Argelinos, aufstellen konnten. FĂŒr die Cristinos erfocht die französische Fremdenlegion die Siege von Terapegui 1836 und Huesca 1837. Nach Ende des Ersten Carlistenkriegs hatte die Fremdenlegion die HĂ€lfte ihrer Mannschaft verloren.

Im Jahr 1837 erschienen die Carlisten unter der FĂŒhrung Carlos’ (V.) schließlich noch vor Madrid. Allerdings blieb der erhoffte Aufstand in der Stadt aus, und die Hauptstadt konnte nicht genommen werden. In diesem Jahr gelang (am 14. Oktober) dem christinischen General Baldomero Espartero der Sieg in der Entscheidungsschlacht von Huerta del Rey, wonach er Schritt fĂŒr Schritt die nördlichen Provinzen wieder unter Regierungskontrolle zu bringen begann. Zugleich begann sich Uneinigkeit im carlistischen Lager auszubreiten. Der carlistische General Maroto, der erst Jahre nach Ausbruch des Ersten Carlistenkriegs zu den Carlisten gestoßen war, geriet wegen seiner gemĂ€ĂŸigten Haltung mit den ApostĂłlicos in Konflikt – was mit der von ihm angeordneten Erschießung der apostolischen GenerĂ€le endete.

Beendet wurde der Erste Carlistenkrieg, als sich ErmĂŒdungserscheinungen auf beiden Seiten zeigten. Die Kommandeure der sich gegenĂŒberstehenden Seiten – nĂ€mlich auf Seite der Carlisten General Rafael Maroto, der die Rache der ApostĂłlico fĂŒrchtete, und auf der Seite der Cristinos General Baldomero Espartero – waren von ihrer frĂŒheren TĂ€tigkeit in SĂŒdamerika her miteinander bekannt und befreundet. Beide GenerĂ€le einigten sich am 31. August 1839 in einem freundschaftlichen GesprĂ€ch, dem so genannten abrazo de Vergara (VerbrĂŒderung von Vergara), ĂŒber die Köpfe der Regentin und des PrĂ€tendenten hinweg auf eine Einstellung der Kampfhandlungen,cite-ref-9[9] woraufhin eine Anzahl der carlistischen Regimenter die Waffen niederlegte. Obwohl der abrazo und seine geheimen Waffenstillstandsvereinbarungen von zahlreichen anderen Carlisten als Verrat angesehen wurde, ging Don Carlos auf Druck Marotos am 15. September 1839 ins Exil auf das Schloss Bourges in Frankreich. Dort lebte er noch jahrelang in halber Gefangenschaft, bis er 1845 auf seinen Thronanspruch verzichtete. Die KĂ€mpfe erstarben allmĂ€hlich, und als der letzte Widerstand des Generals Cabrera durch dessen Vertreibung nach Frankreich am 15. Juli 1840 erstickt werden konnte, hatten die Liberalen die Oberhand behalten.

Den Basken wurde nach dem Ersten Carlistenkrieg ein bedeutender Teil ihrer fueros genommen. Sie behielten jedoch die Steuer- und Zollhoheit, und man nahm sie weiterhin vom MilitÀrdienst aus.

Der Sieg der liberalen Seite war allerdings – davon abgesehen, dass der Konflikt zwischen Absolutisten und Liberalen nicht endgĂŒltig entschieden und keineswegs ausgerĂ€umt war – nicht ganz vollstĂ€ndig, da den aufstĂ€ndischen Provinzen weiterhin die alten Vorrechte zugesichert wurden und den meuternden carlistischen Offizieren der Übertritt in die Reihen der spanischen Armee unter Wahrung ihres Dienstgrads und ihrer vollen BezĂŒge erlaubt wurde. Diese Lösung legte fĂŒr mehr als ein volles Jahrhundert den Grund fĂŒr den krassen OffiziersĂŒberhang in der spanischen Armee – und damit fĂŒr ihren PrĂ€torianismus und die „[unablĂ€ssige] Serie von Staatsstreichen (Pronunciamientos) [
], ausgefĂŒhrt von einem General nach dem anderen, einmal zugunsten der Liberalen, im nĂ€chsten Augenblick zugunsten der Konservativen“,cite-ref-thomas31-10-0[10] von welchen Spanien bis hin zum Spanischen BĂŒrgerkrieg geplagt wurde.

Aus dem Ersten Carlistenkrieg ging letzten Endes der General Espartero als lachender Dritter und als Sieger hervor. Er trieb 1841 die (nach ĂŒberstandener Gefahr sich umgehend wieder den reaktionĂ€ren KrĂ€ften zuneigende) Königinmutter vorĂŒbergehend ebenfalls ins Exil und wurde bis 1843 (und nochmals ab 1854) zum „starken Mann“ Spaniens.

Der Krieg der Matiners (Zweiter Carlistenkrieg von 1847 bis 1849)

Im Jahr 1845 kamen die Carlisten ihren Ambitionen am nĂ€chsten, als HeiratsplĂ€ne zwischen dem PrĂ€tendenten Carlos (VI.) mit Isabella fast zum Erfolg gefĂŒhrt hĂ€tten. Die PlĂ€ne zerschlugen sich allerdings, weil der französische König Louis Philippe einem seiner Söhne auf den spanischen Thron verhelfen wollte. Er konnte sich insoweit durchsetzen, als die Hochzeit des betreffenden Sohns stattdessen mit Isabellas Schwester Luise geschlossen wurde und Isabella am 10. Oktober 1846 ihren schwĂ€chlichen Vetter Franz d’Assisi Maria Ferdinand zu heiraten hatte, von dem angenommen wurde, dass er körperlich nicht in der Lage war, einen Erben hervorzubringen. Die Carlisten jedenfalls fĂŒhlten sich ĂŒbergangen, und von 1847 bis 1849 schloss sich mit dem Zweiten Carlistenkrieg ein weiterer spanischer BĂŒrgerkrieg an.

Die ZÀhlung der Carlistenkriege ist uneinheitlich. Gelegentlich wird der Krieg der Matiners nicht als eigener Carlistenkrieg in der Reihe gezÀhlt und der Krieg von 1872 als der Zweite Carlistenkrieg bezeichnet.

Der Krieg der Matiners (auf Katalanisch guerra dels matiners, etwa: „Krieg der FrĂŒhaufsteher“) bezieht seinen Namen von einer Gruppe von Carlisten, die in Katalonien in der Erwartung losschlugen, dass sich wie im Ersten Carlistenkrieg die carlistischen Hochburgen ihnen anschließen wĂŒrden, als diese tatsĂ€chlich jedoch dazu noch nicht bereit waren. Der Konflikt spielte sich darum hauptsĂ€chlich in Katalonien ab. An der Spitze der Truppen stand General RamĂłn Cabrera y Griño, welcher unter den Carlisten Ansehen genoss, da er wĂ€hrend des ersten Carlistenkriegs auch nach dem abrazo de Vergara die Waffen nicht niedergelegt hatte und darum 1840 von den Cristinos samt seinen Truppen nach Frankreich vertrieben worden war. In der Schlacht von Pastoral von 1849 wurde Cabrera verwundet vom Schlachtfeld getragen und floh im April dieses Jahres nach Frankreich, wĂ€hrend die Regierungstruppen dem Aufstand noch im darauf folgenden Mai ein Ende setzten.

Ein begrenzter Aufstand der Carlisten fand ferner 1855 statt, als der PrÀtendent Carlos (VI.) zu den Waffen rief, aber nur örtlich begrenzte Unruhen auslösen konnte.

Die Invasion von Tortosa

Im April 1860, als das Gros des spanischen Heers im Spanisch-Marokkanischen Krieg gebunden war, suchte Carlos (VI.) die vermeintliche Gunst der Stunde zu nutzen und landete zusammen mit seinem jĂŒngsten Bruder Ferdinand und dem Befehlshaber der Balearen namens Ortega in Sant Carles de la RĂ pita nahe Tortosa. Allerdings wurden seine PlĂ€ne bald zunichtegemacht, da sich kaum ein AnhĂ€nger zeigte und seine Soldaten sich seinen Befehlen verweigerten. WĂ€hrend sein Begleiter Ortega nach der Festnahme Carlos’ erschossen wurde, konnte er selbst sein Leben nur durch förmlichen Verzicht auf seine Thronrechte zugunsten Isabellas retten.

Dieser Umstand und die Folge seiner Abdankung – die PrĂ€tendentenrolle fiel seinem liberalen Bruder Juan (III.) Carlos zu, der den carlistischen Idealen kritisch gegenĂŒberstand – fĂŒhrte zu einer bedrohlichen Krise des Carlismus, zumal Carlos (VI.) seinen Verzicht nach dem Verlassen Spaniens widerrief, da er unter Zwang erwirkt worden sei. Damit hatte die carlistische Bewegung bis zu Carlos’ (VI.) Tod zwei PrĂ€tendenten. Diese Krise wurde nur dank des Einsatzes der Stiefmutter beider PrĂ€tendenten, der Prinzessin von Beria, ĂŒberstanden; sie endete erst, als Juan 1868 zugunsten Carlos (VII.) zur Abdankung gezwungen wurde.

Der Dritte Carlistenkrieg (1872–1876)

Im September 1868 wurde Isabella durch einen von CĂĄdiz ausgehenden Staatsstreich des liberalen Generals Juan Prim und des Admirals Topete – der sogenannten RevoluciĂłn gloriosa – des Thrones enthoben, weil sie angeblich ihrem carlistischen Beichtvater zu sehr Gehör geschenkt hatte. Die Frage ihrer Nachfolge fĂŒhrte indirekt zum Deutsch-Französischen Krieg von 1870. Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen war der spanische Thron angeboten worden, wogegen Frankreich protestierte. Eine diplomatische Auseinandersetzung zwischen Frankreich und Preußen eskalierte, und schließlich erklĂ€rte Frankreich Preußen den Krieg.

So wurde schließlich der Herzog von Aosta (Amadeus I.) zum spanischen König ausgerufen, der dem unter Spaniens Konservativen als freimaurerisch und atheistisch verschrienen Haus Savoyen (auf Spanisch: Saboya) angehörte. Amadeus aber „fand es viel zu schwierig, Spanien zu regieren“,cite-ref-thomas31-10-1[10] und dankte bereits nach kurzer Zeit wieder ab. Es folgte die Ausrufung der Ersten Spanischen Republik (11. Februar 1873).

Die Carlisten, deren Selbstbewusstsein sich nach dem Fall Isabellas und infolge der UnterstĂŒtzung durch Papst Pius IX. sehr gehoben hatte, stellten als regulĂ€re politische Partei in den Cortes 1871 etwa 90 Abgeordnete, womit sie bei weitem die stĂ€rkste konservative Kraft waren. 1872 fanden Wahlen statt; sie endeten damit, dass die Carlisten erhebliche Stimmverluste hinnehmen mussten. Der PrĂ€tendent Carlos (VII.) gelangte zu der Überzeugung, den Thron nur durch Waffengewalt besteigen zu können, und richtete am 15. April ein Manifest an seine AnhĂ€nger. So entfesselte er den Dritten Carlistenkrieg, der sich bis in das Jahr 1876 hinzog.

Am 14. April 1872 rief Carlos zum allgemeinen Aufstand auf. In Navarra und im Baskenland erhoben sich die Carlisten, und aus Frankreich stieß der PrĂ€tendent hinzu. Hinzu kam, dass sich mehrere StĂ€dte des SĂŒdens die Verwirrung nutzten und sich fĂŒr unabhĂ€ngig erklĂ€rten. Am 4. Mai 1872 – gerade zwei Tage nach Eintreffen des PrĂ€tendenten in Spanien – kam es in Navarra zur ersten grĂ¶ĂŸeren Schlacht, als Regierungstruppen unter der FĂŒhrung des Generals Domingo Moriones in Oroquieta eine ungleich grĂ¶ĂŸere Zahl von Carlisten schlugen, wobei Carlos aber ĂŒber Roncesvalles die Flucht nach Frankreich gelang. Die baskischen Carlisten legten vorĂŒbergehend die Waffen nieder. Nun erhob sich jedoch Katalonien, von wo aus die Rebellion erneut auf Navarra und das Baskenland ĂŒbergriff. Eine carlistische Armee, deren MannschaftsstĂ€rke 50.000 Mann betrug, wurde bis 1873 auf die Beine gestellt.

Als König Amadeus am 11. Februar 1873 dem Thron entsagte, wurde die Erste Spanische Republik ausgerufen, welche den Kampf gegen die Carlisten fortfĂŒhrte. Erst jetzt, am 15. Juni, wagte sich Carlos von Bayonne kommend wieder auf spanischen Boden, um am 2. August in Gernika auf die baskischen Fueros zu schwören und die Stadt Estella als Sitz seines Hauptquartiers zu wĂ€hlen. Zum Chef seines Generalstabes ernannte er Juan Nepomuceno de Orbe y Mariaca, MarquĂ©s de Valdespina.

Die Carlisten kĂ€mpften an vielen Fronten, insbesondere in Navarra und Katalonien, durchaus siegreich, aber wiederum mit großer Grausamkeit, wozu das FĂŒsilieren ihrer Kriegsgefangenen gehörte. Obwohl sie viele, auch kriegserfahrene Freiwillige fĂŒr sich gewinnen konnten, mangelte es an AusrĂŒstung und an Kenntnissen ĂŒber die Kunst der Belagerung von StĂ€dten. So scheiterten die Carlisten erneut vor der Festung Bilbao, welche von den republikanischen Truppen nach sechs Monaten der Belagerung wieder befreit wurde. Mit diesem Erfolg der Republik begann das Blatt sich zu wenden, und die republikanischen Truppen konnten die Initiative an sich reißen. Auch Pamplona blieb 1875 den Carlisten trotz Belagerung verschlossen. Hinzu kam, dass sich in den Reihen der Carlisten eine Reihe autonom agierender HeerfĂŒhrer fanden, die sich den Anweisungen der Hauptmacht nicht fĂŒgten.

Bereits im Jahr 1875 aber fand die Republik, unter welcher die Anarchie in Spanien – der Dritte Carlistenkrieg war nur einer von mehreren zur gleichen Zeit stattfindenden Erhebungen in Spanien – stetig zugenommen hatte, nach Besetzung und Auflösung der Cortes ein Ende. Nach den Erfahrungen mit aus dem Ausland importierten FĂŒrsten und der Republik wollte man es wieder mit einem einheimischen FĂŒrsten versuchen. Da sich die progressiven GenerĂ€le begreiflicherweise nicht fĂŒr Carlos (VII.) begeistern konnten, kam es zur Inthronisierung des Ă€ltesten Sohns Isabellas, Alfons XII. Unter der Herrschaft Alfons’ stellte die Armee im Februar 1876 unter den Kommandanten Jovellar und Martinez Campos durch ihre Siege gegen die Carlisten in Trevino (7. Juli 1875) und Montejurra (17. Februar 1876) die Einheit des Staates wieder her. Nach der verlorenen Schlacht von Montejurra und der Einnahme seines Hauptquartiers in Estella zwei Tage spĂ€ter flĂŒchtete der unterlegene Carlos (VII.), der eine Entscheidungsschlacht vermied und stattdessen seine AnhĂ€nger von ihrem Eid entband, wiederum ĂŒber Roncesvalles nach Frankreich. Der dritte Carlistenkrieg endete durch Kapitulation der carlistischen Regimenter am 25. Februar 1876.

Montejurra, wo die Carlisten die letzte Hoffnung fahren lassen mussten, wurde zu einer Art Wallfahrtsort der carlistischen Bewegung, wo traditionell bis heute ihre Treffen stattfinden. Hierzu ziehen sie von Estella, der einstigen Residenz der navarrischen Könige, zum Kloster Irache und auf den Montejurra.cite-ref-11[11]

Dem Baskenland wurden nach Ende des Dritten Carlistenkriegs die fueros endgĂŒltig genommen. Ihm blieben lediglich einige Steuervorteile nach den Bestimmungen des mit Madrid vereinbarten concierto econĂłmico („Wirtschaftskonzert“), welches den Basken die Erhebung regionaler Steuern und die Zahlung einer Pauschale an die spanische Staatskasse einrĂ€umte.

Bilanz der Carlistenkriege

Die Carlistenkriege, in welchen die Zentralmacht (wenngleich mitunter nur unter grĂ¶ĂŸten Anstrengungen) die Oberhand behalten konnte, ohne der carlistischen Bewegung endgĂŒltig Herr werden zu können, werfen ein Schlaglicht auf den spanischen Sonderweg. WĂ€hrend im 19. Jahrhundert und namentlich um 1848 (als gerade der Krieg der Matiners tobte) in vielen LĂ€ndern Europas progressive RevolutionĂ€re gegen ihre konservativen Staatsspitzen aufstanden, hatte es in Spanien umgekehrt eine liberale Staatsspitze mit einem Aufstand von Konservativen zu tun. Stritten etwa die RevolutionĂ€re in Österreich 1848 fĂŒr eine Verfassung, so stritten die in Spanien gegen eine solche.

Wenngleich die carlistische Bewegung in allen militĂ€rischen Konflikten unterlag, konnte sie mit ihrer mĂ€chtigen Opposition (und alleine schon mit ihrer nie aufgegebenen Option militĂ€rischen Vorgehens) in mancher Beziehung doch das völlige Obsiegen liberaler Ideen verhindern. Auch obgleich das liberale Zentrum Spaniens 1836 die Orden und 1841 die Kirche enteignete, geschah das doch gegen das ZugestĂ€ndnis, dass der Staat fĂŒr den Unterhalt der Kirche und der Geistlichkeit aufkam und sie seinem besonderen Schutz unterstellte. Im Konkordat von 1851 entspannte sich die Lage weiter, als zwar die Kirche endgĂŒltig auf den enteigneten Besitz verzichtete und die Krone das Patronatsrecht der Bischofsernennung behielt, andererseits aber die katholische Konfession als „Religion der spanischen Nation“ anerkannt wurde und der Staat fĂŒr Religionsunterricht in den Schulen zu sorgen hatte. Waren die Carlisten auch im Zuge der Verhandlungen ĂŒber die Verfassung von 1869 insoweit unterlegen, als sie einen darin enthaltenen Glaubensfreiheitsartikel nicht verhindern konnten, so wurde nach dem Dritten Carlistenkrieg in der Verfassung von 1876 der Katholizismus wie bereits 1812 wieder zur Staatsreligion erklĂ€rt und die Kirche sukzessive in ihre alten Rechte eingesetzt. In einer sich – wie ĂŒberall in Europa – wandelnden Gesellschaft fĂŒhrte dies jedoch auch dazu, dass die katholische Kirche in den Augen der Arbeiterbewegung als VerbĂŒndete der herrschenden Klassen und damit als Klassenfeind wahrgenommen wurde.

Daher war der Dritte Carlistenkrieg bereits eine weniger machtvolle Erhebung gewesen als der Erste Carlistenkrieg. Die Enteignungen wĂ€hrend des Ersten Carlistenkriegs und die Regelungen des Konkordats fĂŒhrte dazu, dass die Kirche ihre eigene wirtschaftliche Basis entweder verlor oder vom Staat entgegenzunehmen hatte. So nahm sie – anders als frĂŒher, als sie daran mitgewirkt hatte, Spanien zu einem der egalitĂ€rsten Staaten Europas zu machen, in welchem Besucher sich darĂŒber entsetzten, wie selbst arme Schlucker Adelige auf der Straße ohne jeden Respekt begegneten – erstmals RĂŒcksicht auf die Oberschicht, um sich gut mit ihr zu stellen, wĂ€hrend es sich in vergangenen Jahrhunderten eher umgekehrt verhalten hatte. In den Augen der unteren Schichten aber hatte die Kirche sich von ihnen abgewandt und war habgierig geworden.

Diese neue Sicht setzte sich weniger im Baskenland durch, das eine Landschaft unabhĂ€ngiger Klein- und Großbauern war, als vor allem in der Tagelöhnerwirtschaft des SĂŒdens, welche sich von einem Leibeigenensystem nicht wesentlich unterschied. Denn die langfristigen Folgen der Kirchenenteignung von 1835 waren noch in anderer Hinsicht weitreichend. Der Kirchenbesitz wurde zu so verlockenden Preisen angeboten, dass die obere Mittelschicht ihre Kirchentreue vergaß und sich die ausgedehnten BesitztĂŒmer sicherte. Fortan standen die besitzenden Gesellschaftsschichten auf liberaler Seite, da sie nun eine RĂŒckkehr der Kirche in ihre alten Rechte und vor allem ihren alten Besitz zu fĂŒrchten hatten. So entstand eine neue Klasse, welche vor allem in Andalusien ihre Latifundien errichtete und vor allem in der alfonsinischen Ära in den Jahren nach 1874 durch ihr Patronatswesen, den caciquismo, einen politischen und sozialen Druck auf die auf ihren Feldern arbeitenden, verelendeten Tagelöhner ausĂŒbte, dass diese fĂŒr die radikalen Ideen des Anarcho-Syndikalismus empfĂ€nglich wurden.

Keiner der Carlistenkriege konnte also den Konflikt, der die spanische Gesellschaft in zwei Teile zerriss, endgĂŒltig beilegen – im Gegenteil taten die beteiligten Parteien alles dafĂŒr, ihn weiter zu verschĂ€rfen. Der Konflikt wurde weniger intensiv, aber – nicht zuletzt infolge der nachlassenden Bindungen an die katholische Kirche – auf einer breiteren Ebene unter Einbeziehung neuerer politischer Ideen wie dem Sozialismus, Anarchismus und Faschismus in Form von pronunciamientos und Erhebungen wie der Semana trĂĄgica von 1909 weitergefĂŒhrt. Spanien blieb bis zum Ende des Spanischen BĂŒrgerkrieges eines der politisch instabilsten LĂ€nder in Europa. Nirgendwo wurde der Konflikt zwischen den althergebrachten und den neuen politischen Ideen so unerbittlich und erbarmungslos, mit solchem Hass und solcher Grausamkeit ausgefochten wie hier. Der Begriff der „beiden Spanien“ (las dos Españas) fĂŒr diese Scheidung in zwei unversöhnliche Lager wurde in dieser Zeit geprĂ€gt. Der spanische Lyriker Antonio Machado fasste dies in die folgenden Verse:

Der Spanische BĂŒrgerkrieg war letztlich nur ein Finale, auf welches die politische Entwicklung in Spanien seit sehr langer Zeit beinahe zwangslĂ€ufig zusteuerte und in dem zum letzten Mal versucht wurde, die alten Rechnungen zu begleichen und endgĂŒltig eine Entscheidung fĂŒr eine der beiden Richtungen herbeizufĂŒhren.

Die Carlisten von 1875 bis 1975

Die Carlisten in der Zeit des alfonsinischen Königtums

In den unruhigen Jahrzehnten, die der Inthronisierung des Königs Alfons XII. im Jahr 1874 und der Annahme der Verfassung von 1875 folgten, hatten die Carlisten weiter Bestand, engagierten sich aber im Gegensatz zu den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens vorwiegend friedlich, indem sie sich nunmehr vorwiegend den BetÀtigungsfeldern der geistigen Auseinandersetzung und der Propaganda widmeten.

Bisher hatte der Carlismus sich vornehmlich als eine Art von den Frauen und Priestern am Leben gehaltene romantische Tradition innerhalb bestimmter Familien des nördlichen Spaniens halten können. Nun formte der Marquis von Cerralba die bis dahin weitgehend aus lose organisierten Freiwilligen bestehende carlistische Bewegung in eine moderne Partei um, welche den Namen ComuniĂłn Tradicionalista (CT), auf Deutsch „Traditionalistische Glaubensgemeinschaft“, trug. Die CT wurde zum Sammelbecken der carlistischen Bewegung. Der Marquis gestaltete nach 1888 – als das „Manifest von Burgos“ als programmatische Grundlage des Carlismus herausgegeben wurde – auch das Vereinsleben und soziale Engagement der Carlisten neu. 1936 gab es in ganz Spanien hunderte VersammlungshĂ€user der Carlisten, die so genannten „cĂ­rculos“ – Ortsgruppen, „an [deren] Spitze 
 meist ein erlesen höflicher Aristokrat mit der Pistole in der Tasche [stand]“.cite-ref-13[13] Hinzu kam eine Frauenorganisation, die „Margaritas“, und eine Jugendabteilung, die „Pelayos“. Die carlistische Bewegung entwickelte in dieser Zeit ein umfangreiches Pressewesen. Ihr Zentralorgan war die bereits 1841 gegrĂŒndete Zeitung La Esperanza (Die Hoffnung).

Nicht zuletzt infolge ihrer Uneinigkeit, von welcher zahlreiche Spaltungen der Bewegung zeugen, blieb die carlistische Bewegung nach dem Dritten Carlistenkrieg jedoch parlamentarisch ohne besondere Bedeutung (1891: 4 Sitze in den Cortes, 1896: 10 Sitze; 1901: 7 Sitze; 1907: 4 Sitze).

WĂ€hrend des Ersten Weltkrieges stand der PrĂ€tendent Don Jaime ohne Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit der ComuniĂłn Tradicionalista, dem politischen Arm der carlistischen Bewegung, in seinem Gastland Österreich unter Hausarrest. Als die Kommunikation nach Kriegsende wieder möglich war, kam es alsbald zum Bruch: Don Jaime war profranzösisch (eben deshalb hatte man ihn in Österreich festgesetzt), die politische Leitung der Carlisten hingegen war angesichts der liberalen KrĂ€fte in Frankreich und Großbritannien wĂ€hrend des Kriegs strikt prodeutsch gewesen. DarĂŒber kam es zum Konflikt, in welchem die Bewegung sich auf eine neutrale Linie einigte, wĂ€hrend die prodeutschen – in Hinblick auf das carlistische Programm reformgeneigten – AnhĂ€nger der Bewegung (die so genannten Mellisten, nach ihrem AnfĂŒhrer Juan Vazquez de Mella) aus der Partei ausgeschlossen wurden.

Nach dem Dritten Carlistenkrieg beschrĂ€nkte sich das Kerngebiet der Carlisten zunehmend auf Navarra. Im Baskenland und in Katalonien brachte der wirtschaftliche Aufschwung ein Unternehmertum hervor, welches einen westlichen, marktwirtschaftlichen Lebensstil und die dazugehörigen wirtschaftlichen und politischen Freiheiten anstrebte. Die Carlisten spielten jedoch wĂ€hrend des Setmana TrĂ gica genannten katalanischen Aufstands von 1909 noch eine Rolle, als sie in Barcelona in die StraßenkĂ€mpfe eingriffen.

In Katalonien kam hinzu, dass die traditionelle Klientel der Carlisten, die Arbeiter und Bauern, sich zunehmend weniger konfessionell gebunden fĂŒhlten. Sie machten sich zumeist auch die Abneigung der Liberalen gegen den Klerus und die kirchlichen Institutionen zu eigen und wandten sich dem Sozialismus und Anarcho-Syndikalismus zu.

Die Einwohner des lĂ€ndlichen Baskenlands mit Ausnahme allenfalls der Provinz Álava, die lĂ€nger als die beiden KĂŒstenprovinzen carlistisch geprĂ€gt blieb, dagegen schlossen sich ĂŒberwiegend der durch Sabino Arana Goiri begrĂŒndeten nationalbaskischen Bewegung an. Diese wĂŒnschte, vereinfacht ausgedrĂŒckt, den auf das gesamte Spanien bezogenen carlistischen Gedanken, die AutoritĂ€t des Königs und der Kirche zu bewahren, zwar weitgehend beizubehalten, aber auf das Baskenland alleine zu beschrĂ€nken.

Nur im konservativen Navarra, das bisweilen auch als „spanische VendĂ©e“ bezeichnet wird,cite-ref-14[14] herrschte weiterhin eine freie Bauernschaft vor, die streng katholisch war, den Liberalen in Madrid grundsĂ€tzlich und in allen Belangen misstraute und aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen die moderne Welt weitgehend ablehnte. Bezeichnenderweise verwarf diese Provinz spĂ€ter auch das ihr angebotene Autonomiestatut der Zweiten Republik, welches im Baskenland und in Katalonien mit großer Mehrheit angenommen wurde. FĂŒr Navarra waren eine von einer Republik gewĂ€hrte Autonomie und die ihnen von alters her zustehenden fueros nicht dasselbe. Es bleibt zu vermerken, dass selbst noch heute der navarresischen Regionalhymne auszugsweise die folgenden Zeilen entnommen werden können:

Die Haltung der Carlisten zur Diktatur Miguel Primo de Riveras, die von 1923 bis 1930 dauerte, war uneinheitlich. WĂ€hrend seiner Diktatur verhielt sich die ComuniĂłn Tradicionalista wie die meisten Parteien weitgehend passiv.

Die Carlisten und die Zweite Republik (1931–1936)

Nachdem 1931 der König Alfons XIII. vertrieben worden war, fanden die königstreue Legitimistische Partei und die ComuniĂłn Tradicionalista, die in Verfassungsfragen kaum unterschiedliche Positionen aufwiesen, zueinander und schlossen einen Pakt, den sie TYRE (Tradicionalistas y RenovaciĂłn Española) nannten. Der gestĂŒrzte König und der carlistische PrĂ€tendent Don Jaime trafen in Paris zusammen und söhnten sich hierbei angeblich aus – dass Alfons den PrĂ€tendenten als Familienoberhaupt der spanischen Bourbonen anerkannte, mag aber ein GerĂŒcht sein. Don Jaime, der scharf gegen die Ausrufung der Republik protestiert hatte, starb wenige Monate spĂ€ter. Sein Onkel Don Alfonso Carlos, in den Augen der Carlisten nunmehr der rechtmĂ€ĂŸige PrĂ€tendent, ließ den Pakt wieder aufkĂŒndigen. Darauf kam es zu einer Spaltung der Carlisten. Der bedeutendere Teil wandte sich von den Legitimisten ab und pflegte wie einst sein Gemeinschaftswesen in navarresischen Ortszirkeln. Hier bildeten sie von 1933 an Truppen aus, wie es die meisten politischen Lager, einschließlich der Falangisten, Anarchisten und der kommunistischen und sozialistischen JugendverbĂ€nde in Erwartung einer großen Auseinandersetzung zur selben Zeit taten.

Die Ausbildung der carlistischen Aufgebote, welche wie einst als „RequetĂ©s“ bezeichnet wurden, wurde dem wĂ€hrend seiner EinsĂ€tze in Marokko hoch dekorierten Obersten JosĂ© Enrique Varela anvertraut und von Benito Mussolini mit 1,5 Millionen Peseten finanziert. Mussolini ließ auch einige carlistische Offiziere in Italien ausbilden, wĂ€hrend Waffen aus Deutschland besorgt wurden.cite-ref-beevor-65-16-0[16]

Die Zweite Republik (1931–1936) kam zwar den Randprovinzen mit der EinrĂ€umung weitgehender Autonomien weit entgegen. Gleichwohl standen die Carlisten dem Chaos und den AusbrĂŒchen allseitiger politischer Gewalt in Madrid sowie den nach ihrer Auffassung einseitig kirchenfeindlichen und ideologisch diktierten Maßnahmen, die die Zweite Republik aufgrund ihres laizistischen SelbstverstĂ€ndnisses von 1931 bis 1936 in reicher Zahl traf, mit grĂ¶ĂŸtem Ressentiment gegenĂŒber. Aber auch abgesehen von diesen Handlungen (wie der EinfĂŒhrung der Zivilehe und der Ehescheidung, der Aufhebung der Ordensschulen und des erneuten Verbots der Gesellschaft Jesu) sahen die Carlisten getreu ihren hergebrachten staatsrechtlichen Vorstellungen die Republik an sich, die sich dazu mit dem Himno de Riego das Kampflied der konstitutionellen AufstĂ€ndischen des Jahres 1820 als Nationalhymne zu eigen gemacht hatte, ohnedies als illegitim an und waren alleine schon deswegen nicht bereit, sich mit ihr abzufinden.

Hinzu kamen bereits im Vorfeld des Spanischen BĂŒrgerkrieges zahlreiche gewalttĂ€tige Angriffe gegen den Klerus und BrandanschlĂ€ge gegen spanische Kirchen meist von anarchistischer Seite, welche von der politischen Leitung der Republik oft nur mit einem Achselzucken quittiert wurden. Eine am 10. Mai 1931 in Madrid stattgehabte monarchistische Ohrfeige fĂŒr einen republikanischen Taxifahrer etwa schaukelte sich im selben Monat zu einer sich durch Spanien ziehenden Brandstiftungswelle an Kirchen und Klöstern auf.cite-ref-17[17] Hierauf ließ sich der Kriegsminister Manuel Azaña mit dem Spruch vernehmen, lieber sollten alle Kirchen brennen, als dass einem Republikaner ein Haar gekrĂŒmmt werde.cite-ref-18[18] Diese und andere ZwischenfĂ€lle polarisierten die spanische Gesellschaft weiter und trugen dazu bei, auch die nichtcarlistischen kirchentreuen Spanier zum Widerstand zu reizen, was den Carlisten zwischen 1931 und 1936 großen Zulauf bescherte. Ferner fanden die Mellisten zu den Carlisten zurĂŒck.

Mehrere hochrangige AnfĂŒhrer der ComuniĂłn Tradicionalista unterstĂŒtzten bereits 1932 das gegen die „kirchenfeindliche Diktatur Azañas“ gerichtete pronunciamiento des Generals JosĂ© Sanjurjo Sacanell, und auch bei Ausbruch des Spanischen BĂŒrgerkriegs sahen die Carlisten – aus ĂŒbergeordneten GrĂŒnden, aber auch in Hinblick auf die revolutionĂ€re Rhetorik des AnfĂŒhrers der PSOE, Largo Caballero – nicht nur keinen Anlass, die Hand zur Verteidigung der Republik zu erheben, sondern wirkten im Gegenteil bei der Planung des pronunciamiento vom Juli 1936 zusammen mit GeheimbĂŒnden innerhalb der Armee und weiteren rechten Gruppen tatkrĂ€ftig mit. Zur Vorbereitung des Putsches hatten im FrĂŒhjahr 1936 der Regent der carlistischen Bewegung, Prinz Javier de BorbĂłn-Parma, zusammen mit dem Vorsitzenden der ComuniĂłn Tradicionalista, Manuel Fal Conde, in St.-Jean-de-Luz, einer französischen Stadt knapp hinter der spanischen Grenze, den Obersten MilitĂ€rrat der Carlisten gegrĂŒndet.cite-ref-beevor-65-16-1[16]

Die Carlisten im Spanischen BĂŒrgerkrieg

Die Carlisten schlugen sich auf die Seite Francos, nachdem auf Basis eines Kompromisspapiers General Sanjurjos rechtzeitig vor der Erhebung am 17. Juli 1936 eine Einigung zwischen General Emilio Mola Vidal und dem AnfĂŒhrer der ComuniĂłn Tradicionalista, Manuel Fal Conde, ĂŒber eine Beteiligung der Carlisten an dem pronunciamiento hergestellt worden war. Fal Conde hatte zunĂ€chst auf seinen Forderungen beharrt, dass der Aufstand unter monarchistischer Fahne geschehen mĂŒsse und dass im Erfolgsfalle alle Parteien aufzulösen seien.

Auf der Seite Nationalspaniens kĂ€mpften die Carlisten zur „Wiederherstellung der alten (Welt) mit Maschinengewehr und Messbuch“ cite-ref-19[19] mit etwa 50 banderas (Kompanien) gegen die Volksfront, viele von ihnen mit der detente bala (Stopp-die-Kugel) ĂŒber dem Herzen, einem fĂŒr die Carlisten typischen Amulett mit einer Abbildung des „Herz Jesu“. Mit 40.000 Freiwilligen diente nicht weniger als ein Zehntel der navarresischen Bevölkerung als brigada de Navarra unter den carlistischen Fahnen. Die Verlustlisten der Carlisten erwĂ€hnten unter anderem schwer verletzte FĂŒnfzehnjĂ€hrige. Gerald Brenan vertritt die Ansicht, dass die Carlisten – anders als nach seiner Auffassung selbst die Falange – die einzigen wirklich motivierten und fĂŒr eine cruzada zu begeisternden KĂ€mpfer auf der Seite Francos waren.

Bald aber gerieten sie in Streit mit der militĂ€rischen FĂŒhrung der nationalspanischen Koalition, wobei Manuel Fal Conde nach einer Auseinandersetzung mit Francisco Franco nach Portugal verbannt wurde. Die Carlisten waren ĂŒber diese Behandlung ihres AnfĂŒhrers erbost und stellten Kontakte mit einigen AnfĂŒhrern der faschistischen Falange her, die mit Franco ebenfalls nicht einverstanden waren. Mit der Falange konnte trotz der erheblichen Unterschiede zwischen beiden Bewegungen immerhin im Hinblick auf die Ablehnung des Liberalismus, der Demokratie und des „neunzehnten Jahrhunderts“ eine gemeinsame Basis gefunden werden. So wurde Fal Conde in Portugal der Vorschlag unterbreitet, die carlistische und die falangistische Bewegung zu vereinen. Verhandlungen wurden gefĂŒhrt, allerdings gelangten die Carlisten zur Ansicht, dass die Falange im Wesentlichen nur darauf aus war, die carlistisch-traditionalistische Bewegung zu schlucken, weshalb sie schließlich eine Verschmelzung ablehnten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich allerdings bereits Franco mit dem Gedanken einer Verschmelzung der ComuniĂłn Tradicionalista mit der Falange angefreundet. Dies geschah infolge der BemĂŒhungen des politischen Beraters Francos, RamĂłn Serrano SĂșñer, den Staat der nationalspanischen Koalition unter Franco auf eine theoretische oder sogar ideologische Basis zu stellen. Nach seiner Ansicht konnte keine der Parteien der nationalspanischen Koalition fĂŒr sich genommen eine solche Basis bieten, und zwar weder die Falange noch die Carlisten – vielleicht aber beide zusammen. Hinzu kam, dass die Ziele der einzelnen Organisationen unterschiedlicher nicht hĂ€tten sein können: wollten die Carlisten letztlich auf einen spanischen Staat des 16. Jahrhunderts zurĂŒck, so hielt die Falange, der ein „nationaler Syndikalismus“ im Sinne eines faschistisch-korporativen Systems vorschwebte, nichts von alldem.

Franco beschloss, Nationalspanien endgĂŒltig eine einzige Richtung, und zwar seine eigene, zu geben. 1937 wurde die ComuniĂłn Tradicionalista mit der faschistischen Falange Española de las JONS zu der Organisation „Falange Española Tradicionalista y de las JONS“, der spĂ€teren Staatspartei des Franquismus, zwangsvereinigt. Parteiuniform der „F. E. T. y de las JONS“ wurde das falangistische Blauhemd zusammen mit der carlistischen roten BaskenmĂŒtze. Haupt dieser Organisation wurde Franco, obwohl er weder Falangist noch Carlist war, womit er beide Organisationen unter seine Kontrolle brachte und so seine Stellung im nationalspanischen Lager ungemein stĂ€rkte. Um die interne Opposition weiter zu verwĂ€ssern, ordnete Franco außerdem an, dass alle Berufs- und Reserveoffiziere automatisch Mitglied dieser Organisation seien. Die „F.E.T. y de las JONS“ fĂŒhrte bald darauf den unverbindlicheren Namen Movimiento Nacional, ab 1970 war dies auch der offizielle Name der Staatspartei. Traditionell stand im franquistischen System der Posten des Justizministers einem loyalen Carlisten zu.

Der amtierende Regent, Don Javier, protestierte gegen diese Zwangsvereinigung, zu welcher man ihn gar nicht erst konsultiert hatte, und wurde ebenfalls nach Portugal vertrieben. Obwohl bald darauf die Beteiligung an der Macht nach dem Sieg im BĂŒrgerkrieg ĂŒber vieles hinweghalf, hielt eine Missgestimmtheit sowohl seitens der ComuniĂłn Tradicionalista als auch seitens der Falange gegen diese Zusammenlegung noch durch Jahrzehnte an: da die Parteiuniform der „F.E.T. y de las JONS“ sich aus dem blauen Hemd der Falange und der roten BaskenmĂŒtze der Carlisten zusammensetzte, pflegten die Falangisten die MĂŒtze bei jeder sich bietenden Gelegenheit in die Tasche zu stecken, und viele Carlisten zogen es vor, zu offiziellen AnlĂ€ssen der Bewegung lieber in Zivil als im blauen Hemd zu erscheinen. Zwar waren die traditionalistisch-antiliberal-katholischen Elemente der Franco-Ideologie dem carlistischen Gedankengut nahe und der gemeinsame Kampf gegen die antiklerikale „rote“ Republik einte sie, aber die faschistische Ideologie der Falange, die auf die Zentralisierung statt auf Autonomie fĂŒr Regionen wie das Baskenland oder Katalonien setzte, war der des Carlismus eigentlich entgegengesetzt.

Die Carlisten in der Zeit des Franquismus

Nach dem Tod Alfonso Carlos’ war Alfons XIII. Familienoberhaupt, der nach Rom ins Exil gegangene frĂŒhere König Spaniens, womit theoretisch die Spaltung der spanischen Bourbonen in zwei sich befehdende Linien hĂ€tte behoben sein können. Allerdings waren viele Carlisten der Ansicht, dass Alfonso XIII. und sein Sohn Juan, Graf von Barcelona, sich unter dem Gesichtspunkt der „LegitimitĂ€t durch Taten“ als AnfĂŒhrer der Bewegung disqualifiziert hatten.

Alfonso Carlos, der letzte PrĂ€tendent des carlistischen Zweiges der Bourbonen, hatte kurz vor seinem Tod noch selbst Prinz Francisco Javier de BorbĂłn-Parma als Regenten bestimmt, da dieser der am nĂ€chsten verwandte Bourbone war, der die carlistischen Ideale hochhielt. Francisco Javier – ein Bruder Zitas, der letzten österreichischen Kaiserin – kehrte wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs nach Belgien zurĂŒck, in dessen Armee er wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs gedient hatte. Dort wurde er demobilisiert, woraufhin er sich dem französischen Widerstand anschloss. Von den Nationalsozialisten gefangen genommen, wurde er in Natzweiler und Dachau interniert, wo die amerikanischen Truppen ihn 1945 befreiten. Nach dem Beschluss zur WiedereinfĂŒhrung der Monarchie nach Francos Tod im Jahr 1947 verkĂŒndete Francisco Javier im Jahr 1952 als Javier (I.) öffentlich seinen Anspruch auf den spanischen Thron und begrĂŒndete somit die zweite carlistische Dynastie der BorbĂłn-Parma.

Dieser Rang wurde ihm und seinem Sohn Carlos-Hugo de BorbĂłn-Parma von Juan, Graf von Barcelona und Vater des spĂ€teren spanischen Königs Juan Carlos I., streitig gemacht, weil Francisco Javier unstandesgemĂ€ĂŸ geheiratet hatte und außerdem – ebenso wie Carlos-Hugo – nicht die spanische StaatsbĂŒrgerschaft besaß. Franco selbst Ă€ußerte sich nicht zu den AnsprĂŒchen Francisco Javiers und Carlos-Hugos, weil dies seinen Bestrebungen entgegenkam, Uneinigkeit unter den spanischen Monarchisten zu stiften. Insbesondere war Franco daran gelegen, dass sich die spanischen Monarchisten nicht hinter dem Grafen von Barcelona vereinten, welcher sich ausdrĂŒcklich fĂŒr die Schaffung einer parlamentarischen Demokratie ausgesprochen hatte, wĂ€hrend Franco von einem kĂŒnftigen König die volle Identifikation mit dem Movimiento Nacional erwartete.

Obwohl der Umstand, dass ihnen keine spanische StaatsbĂŒrgerschaft zukam, keineswegs unumstritten war (der nie aufgelöste Vertrag von Aranjuez von 1801 sicherte allen Prinzen von BorbĂłn die spanische StaatsbĂŒrgerschaft zu), stellten Francisco Javier und Carlos-Hugo einen Antrag auf EinbĂŒrgerung. Franco tat das Seine, eine Entscheidung ĂŒber diesen Antrag immer weiter hinauszuzögern (zu einer EinbĂŒrgerung kam es im Falle Carlos-Hugos darum erst am 5. Januar 1979). Davon abgesehen ließ er keine Gelegenheit verstreichen, die verschiedenen ThronanwĂ€rter gegeneinander auszuspielen. Als etwa Juan Carlos sich 1962 zu seiner Heirat nach Athen begab, lud Franco den inzwischen in Madrid lebenden Carlos-Hugo zu einem Treffen ein und ließ anschließend den Grafen von Barcelona wissen, er habe nun einen anderen Kandidaten im Auge. Allerdings begann Carlos-Hugo in diesen Jahren, von Franco abzurĂŒcken, und griff Juan Carlos als dessen angebliche Marionette an. Juan, den Grafen von Barcelona, bezeichnete er als Liberalen, Zentralisten und GĂŒnstling des Kapitalismus und des Establishments. Carlos-Hugos AnhĂ€nger sahen sich deshalb dazu veranlasst, Juan Carlos bei öffentlichen Auftritten mit faulem GemĂŒse zu bewerfen.

1964 heiratete Carlos Hugo Prinzessin Irene von Oranien-Nassau. In den Flitterwochen ließ sich Irene in einem Bikini ablichten, einem KleidungsstĂŒck, welches in Spanien damals als obszön betrachtet wurde. Franco nutzte die öffentliche Empörung, um Carlos-Hugo dadurch herabzusetzen, dass er die Einladung zu einer Audienz mit „Prinzessin Irene der Niederlande und ihr Mann“ ĂŒbertiteln ließ. Daraufhin brach Carlos-Hugo sowohl mit Franco als auch mit seinem traditionalistischen Vater und begann, einen linksgerichteten politischen Kurs zu verfolgen. In der Volksabstimmung von 1966 ĂŒber eine Verfassungsreform (Ley OrgĂĄnica del Estado) rief Francisco Javier seine AnhĂ€nger dazu auf, mit „Ja“ zu stimmen. Carlos-Hugo stellte daraufhin seinen Vater dadurch bloß, dass er ihm öffentlich die „LegitimitĂ€t durch Taten“ absprach. Damit war der Bruch innerhalb der carlistischen Bewegung besiegelt. Francisco Javier tat ein Weiteres und bekundete seine UnterstĂŒtzung fĂŒr den baskischen und katalanischen Separatismus. Franco, der dies als Tropfen auffasste, der das Fass zum Überlaufen brachte, ließ daraufhin alle Prinzen von BorbĂłn-Parma aus Spanien ausweisen.cite-ref-20[20] Nach dem Bruch mit Franco 1967 verfolgte Carlos-Hugo und mit ihm seine AnhĂ€nger Ideen eines partikularistischen Sozialismus.

Die Frage stand offen, ob das Franco-Regime die carlistischen Treffen auf dem Montejurra weiterhin dulden wĂŒrde, zumal die massive Oppositionshaltung der Carlisten gegenĂŒber dem Regime nicht nachließ. Prinzessin Irene, die als einziges Mitglied der Familie Bourbon-Parma noch einreisen durfte, vertrat die Sache ihres Ehemannes weiterhin öffentlich vor ihren AnhĂ€ngern. AnlĂ€sslich des Montejurra-Treffens im Mai 1973 Ă€ußerte sie sich vor rund 10.000 Carlisten wie folgt: „Spanien hat eine Revolution dringend nötig, die ein ungerechtes Regime hinwegfegt, die ein totalitĂ€res politisches System ablöst, die unannehmbare ökonomische Strukturen zerstört und durch eine neue Wirtschafts-, Sozial- und politische Struktur ersetzt.“cite-ref-21[21]

Letztlich zerschlugen sich die Hoffnungen der Carlisten erneut, als Franco sich unter den in Frage kommenden PrĂ€tendenten definitiv fĂŒr den Enkel Alfons’ XIII. entschied, den spĂ€teren König Juan Carlos (1975–2014).

Die Carlisten nach 1975

Am 8. April 1975, noch vor Francos Tod, dankte Francisco Javier zugunsten von Carlos-Hugo ab. Dieser hatte bereits 1971 eine weit linksgerichtete carlistische Gruppierung ins Leben gerufen, die ab 1971 den Namen Partido Carlista (PC) fĂŒhrte und nach einer politischen Neuorientierung auf dem Carlistischen Volkskongress von 1972 einen föderalistisch-autonomistisch-sozialistischen Kurs einschlug, welcher sowohl vom II. Vatikanischen Konzil beeinflusst war als auch Elemente der Befreiungstheologie aufgriff. Zentrale Elemente waren die betriebliche Selbstbestimmung und ein staatlicher Föderalismus mit autonomen Regionen. Im Gegensatz zu frĂŒher sollte das allerdings ausdrĂŒcklich im Rahmen eines pluralistischen gesellschaftlichen Systems durchgesetzt werden. Zur Zeit von Francos Tod 1975 war der 1977 legalisierte Partido Carlista eine weit linksgerichtete Organisation, die sich unter anderem an der GrĂŒndung der Izquierda Unida (Vereinigte Linke) beteiligte.cite-ref-22[22]

Alles dies fĂŒhrte zu einer irreparablen Spaltung der seit ihren UrsprĂŒngen konservativ-katholischen Carlistenbewegung. Die AnfĂŒhrer der carlistischen Bewegung forderten Carlos-Hugo dazu auf, sich zu ihrer traditionalistischen Linie zu bekennen. Als Carlos-Hugo darauf nicht reagierte, erklĂ€rten sie ihn seines Rechts auf FĂŒhrerschaft fĂŒr verlustig. Carlos-Hugo verwahrte sich allerdings dagegen, auf irgendein Recht verzichtet zu haben. Die Bewegung teilte sich nunmehr offiziell in den Partido Carlista Carlos-Hugos und verschiedene – von seinem Bruder Sixto angefĂŒhrte – traditionalistische Gruppen, die sich 1986 unter Sixto zur weit rechtsgerichteten ComuniĂłn Tradicionalista Carlista (CTC) vereinigten.

Unmittelbar nach Francos Tod standen sich beide carlistischen Gruppierungen derart feindselig gegenĂŒber, dass mit Sixto verbundene traditionalistische Carlisten, angeblich unterstĂŒtzt von antikommunistischen italienischen MilitĂ€rkreisen, mit einem Bombenanschlag auf eine Versammlung des PC im Mai 1976 in Verbindung gebracht wurden: Bei dem Attentat auf die linkscarlistische Wallfahrt in Montejurra (Navarra), zu der auch rund 20 linke Parteien und Organisationen eingeladen waren, wurden zwei AnhĂ€nger des Partido Carlista ermordet und zahlreiche weitere verletzt. Hinter den Morden standen nachweislich rechtsfranquistische KrĂ€fte innerhalb der Guardia Civil und die Geheimdienstaktion „OperaciĂłn Reconquista“, die vom damaligen Innenminister Manuel Fraga und Regierungschef Carlos Arias Navarro unterstĂŒtzt wurde.cite-ref-23[23]

Im Jahr darauf beanspruchte Sixto Enrique de BorbĂłn-Parma die AnfĂŒhrerschaft der carlistischen Bewegung ausdrĂŒcklich fĂŒr sich und erklĂ€rte, der legitime PrĂ€tendent zu sein. Beide PrĂ€tendenten beriefen sich auf ihren am 7. Mai 1977 verstorbenen Vater. Die HintergrĂŒnde sind unklar. In einem Manifest vom 4. MĂ€rz 1977 hatte Francisco Javier (angeblich auf nachdrĂŒckliches Betreiben Sixtos) die immer linkslastigere Politik Carlos-Hugos verurteilt, wĂ€hrend er in einem drei Tage spĂ€ter verfassten Papier an Carlos-Hugo als Erben auch in Hinblick auf den Thronanspruch festhielt. In der Zwischenzeit hatte Carlos-Hugo seinen Vater aus dem Krankenhaus geholt und zu sich genommen. Die Mutter beider PrĂ€tendenten hielt zu Sixto und ging so weit, Carlos-Hugo von ihrem eigenen BegrĂ€bnis 1984 auszuschließen.

Eine anhĂ€ngerstarke Bewegung blieben die Carlisten noch bis in die 1960er Jahre. Bereits bei den ersten freien Wahlen 1977 zeigte sich jedoch, dass die Carlisten infolge ihrer SelbstlĂ€hmung durch Uneinigkeit im Zuge nur eines Jahrzehnts politisch in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht waren. Der PC blieb eine Splitterorganisation, welche 1977 etwa 8500 Mitglieder zĂ€hlte, und brachte es sogar im navarresischen Regionalparlament 1979 lediglich auf 4,79 % der Stimmencite-ref-24[24] und einen einzigen Sitz, war ab 1983 gar nicht mehr dort vertreten und fĂ€hrt inzwischen als Splitterpartei weit unter 1 % der Stimmen ein – 2003 waren es 0,34 % der Stimmen, 2007 halbierte sich der Stimmenanteil des PC nochmals auf 0,16 %.

Nach Ansicht einiger ist dieser Niedergang der carlistischen Bewegung nicht zuletzt auch darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass wĂ€hrend der Regierungszeit König Juan Carlos I. die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit der Spanier diesem in weit höherem Maße als jedem etwaigen PrĂ€tendenten LegitimitĂ€t zuerkannte. Diese LegitimitĂ€t habe Juan Carlos spĂ€testens durch seinen Einsatz fĂŒr die Transition Spaniens, die EinfĂŒhrung der parlamentarischen Demokratie, und ihre Verteidigung gegen den Putschversuch von 1981 sowie durch seine Mitwirkung an der EinfĂŒhrung der föderativen Verfassung erworben, wĂ€hrend die PrĂ€tendenten hauptsĂ€chlich durch nicht mehrheitsfĂ€hige politische Ansichten und nicht enden wollenden Familienzwistigkeiten von sich reden machten.

1980 zog sich Carlos-Hugo aus der Politik zurĂŒck und trat aus dem Partido Carlista aus, ohne jedoch seine AnsprĂŒche auf den Thron aufzugeben. 1981 erfolgte die Scheidung von Prinzessin Irene, mit welcher Carlos-Hugo vier Kinder hatte.

Im Jahr 2000 setzte eine gewisse Wiederbelebung des PC ein, der bei den Kommunalwahlen in Navarra im Jahr 2003 in zehn GemeinderÀte einziehen konnte. Im Jahr 2005 bekannte sich der PC auf dem Bundeskongress von Tolosa erneut zur regionalen Selbstbestimmung und sprach sich gegen eine europÀische Verfassung aus.

Politische und gesellschaftliche Ziele des Carlismus

Allgemeines

Es ist nicht leicht, den Carlismus zutreffend zu kategorisieren, da die Carlisten niemals monolithisch waren, wĂ€hrend ihrer langen Geschichte kontinuierliche Entwicklungen durchmachten und EinflĂŒsse anderer politischer Richtungen aufnahmen, wie auch andere politische Richtungen carlistisches Gedankengut ĂŒbernahmen – etwa das soziale Engagement, das bei den Carlisten zum Beispiel in der GrĂŒndung christlicher Gewerkschaften zum Ausdruck kam. UrsprĂŒnglich aus einem RĂŒckzugsgefecht des spanischen Ancien RĂ©gimes entstanden, definierte der Carlismus sich durch die Zeiten wiederholt neu, um den Anschluss an die Zeit nicht zu verlieren: um seine Vorstellungen durchzusetzen, focht der Carlismus zuerst Kriege aus, um dann zu einer parlamentarisch tĂ€tigen politischen Partei und unter dem Franquismus schließlich zu einer Art Interessenverband zu werden.

Die Carlisten galten jedenfalls in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts vorwiegend als Partei des niederen Adels, waren aber bei ihrem zahlenmĂ€ĂŸig beachtlichen Anhang bei den Bauern und Arbeitern auf diese Gruppe keineswegs beschrĂ€nkt. Sie waren streng katholisch und tief konservativ – Teile von ihnen so sehr, dass sie im Zuge des Dritten Carlistenkriegs Bahnhöfe als neumodische Abscheulichkeiten angriffen. Ihr von den reformerischen Mellisten geprĂ€gtes Programm von 1897 nahm zwar Abstand von einem absolutistischen Staat, forderte jedoch auch weiterhin regionale Selbstbestimmung bei Einheit Spaniens unter dem Zeichen des Katholizismus, eine monarchische Staatsform, WiedereinfĂŒhrung der Aristokratie in ihre traditionellen Funktionen und soziales Engagement im Sinne der katholischen Soziallehre in Übereinstimmung mit den betreffenden pĂ€pstlichen Enzykliken.

Der Carlismus fasste sich als bestimmende Kraft des so genannten Conservadurismo (spanischer Konservativismus) auf und neigte je lĂ€nger, desto mehr zu einer autoritĂ€ren StaatsfĂŒhrung und zum Korporativismus. So gelangte die CT in den frĂŒhen 1930er Jahren zu einem Programm, welches einen „stĂ€ndischen neotraditionalistischen Monarchismus“ vorsah, der allerdings „einen extremen Etatismus vermied und bestrebt war, den Carlismus deutlich von faschistischem Radikalismus und faschistischer Diktatur abzusetzen“.cite-ref-25[25] Die Carlisten waren tief antikommunistisch und jedenfalls um den Spanischen BĂŒrgerkrieg herum – Ă€hnlich wie auch andere rechte Bewegungen – fest davon ĂŒberzeugt, dass eine „jĂŒdisch-marxistisch-freimaurerische Verschwörung“ Spanien in einen Satelliten der Sowjetunion verwandeln wolle.cite-ref-beevor-64-26-0[26]

Als Monarchisten lehnten die Carlisten die Idee der VolkssouverĂ€nitĂ€t ab, propagierten aber keine diktatorische, sondern eine durch Glaube, Sitte und Gesetz eingehegte Königsherrschaft. Sie wandten sich vielmehr explizit gegen Despotismus: Sobre el Rey estĂĄ el Ley, â€žĂŒber dem König steht das Gesetz“, womit in erster Linie das unabĂ€nderliche Naturrecht und die ungeschriebenen GrundsĂ€tze guten und gerechten Regierens gemeint waren. Ihre politischen Vorstellungen zeigten die Carlisten in ihrer eigenen Version der Marcha Real:cite-ref-27[27]

Der Historiker Hugh Thomas illustriert die mit der carlistischen Weltanschauung in der Praxis verbundene Auffassung von Politik wie folgt: Als der Fraktionsvorsitzende der Carlisten in den Cortes, der Graf von Rodezno, 1931 gefragt wurde, wer im Falle einer RĂŒckkehr des Königs wohl MinisterprĂ€sident werden wĂŒrde, soll er die folgende bezeichnende Antwort gegeben haben: „Sie oder einer von den Herren hier, es handelt sich doch nur um SekretĂ€rsstellen 
 ich [selbst aber] bliebe beim König, und wir wĂŒrden von der Jagd sprechen.“ Hugh Thomas zufolge „gehörte zum Kern der carlistischen Gesellschaftsauffassung 
 [d]ass die Politik auf der Jagd gemacht wird“.cite-ref-28[28]

Der Einfluss dieser die spanische Geschichte durch mehr als ein Jahrhundert nachhaltig prĂ€genden Bewegung auf das heutige Spanien war vielfĂ€ltig. Der baskische Nationalismus hat carlistische Wurzeln. Carlisten grĂŒndeten ferner mit den „Sindicatos libres“ die ersten christlichen Gewerkschaften Spaniens.

VerhÀltnis von Kirche und Staat

Das carlistische VerstĂ€ndnis von Staat und Gesellschaft basierte wesentlich auf ihren idealen Vorstellungen eines VerhĂ€ltnisses zwischen Staat und Kirche, wie es im Spanien der Zeit vor der AufklĂ€rung vorgeherrscht hatte. Die Kirche legitimierte seit jeher nicht nur die Königsherrschaft mit ihrem Gottesgnadentum, sondern war seit den Zeiten der Katholischen Könige in einem so heterogenen Staat wie Spanien die stĂ€rkste integrierende und stabilisierende Kraft und in dieser Eigenschaft als StĂŒtze der bestehenden Ordnung von entscheidender Bedeutung. Auf politischem wie auf kulturellem Gebiet war die Kirche allgegenwĂ€rtig. Der Gipfel der spanischen Macht in Europa und der Welt fiel in diese Zeit der Symbiose von Thron und Altar. Im Zuge der VerklĂ€rung dieser Zeit nach dem Niedergang Spaniens um den Spanischen Erbfolgekrieg herum wurde ein Zusammenhang zwischen der alten Staatsverfassung und der vergangenen Herrlichkeit hergestellt, welchen der Carlismus aufgriff und sich zu eigen machte, weshalb er als eine Art Jesuitentum fĂŒr Laien beschrieben worden ist.cite-ref-beevor-64-26-1[26]

Die mĂ€chtigste gesamtspanische Institution des alten Spaniens, die Inquisition, war eine staatliche Institution und eine wesentliche StĂŒtze der Macht der Kirche. Auch obgleich die Inquisition in den letzten vierzig Jahren ihres Bestehens keine Todesstrafe mehr verhĂ€ngt hatte, war ihre politische Macht bis in die Zeiten der Regierung Ferdinands VII., der sie auf Druck Frankreichs abschaffte, noch immer enorm und reichte bis in den Hofstaat des Königs hinein. Ferner trauten es die Absolutisten alleine der Inquisition zu, mit der Freimaurerei fertigzuwerden und den Liberalismus aus Spanien zu verbannen, und es verwundert nicht, dass noch bis in das 20. Jahrhundert eine der Hauptforderung der Carlisten die Wiedereinrichtung der Inquisition war, von der sie als von dem ehrwĂŒrdigsten, von Engeln vom Himmel auf die Erde gebrachten Tribunal sprachen.

Im Wesentlichen machten vier Elemente die gesellschaftspolitischen Vorstellungen aus, auf welche die Carlisten hinaus- oder besser zurĂŒckwollten: religiöse Einheit des Volks, ein auf religiösen GlaubenssĂ€tzen aufgebautes staatliches und gesellschaftliches System, Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat und Freiheit der Kirche. Bezeichnenderweise verbanden die Carlisten bei ihren ZusammenkĂŒnften stets politische mit religiösen Elementen. Einer politischen Ansprache pflegte das Lesen einer Messe voranzugehen.

Die carlistischen Vorstellungen vom Staatswesen waren dem Mittelalter entlehnt. Eine Trennung von Kirche und Staat war dort nicht vorgesehen. Zudem konnte die Religion keine Privatsache sein, denn die katholische Konfession und die christlichen Werte waren nach carlistischer Auffassung das Fundament der Gesellschaft. Um in diesem Sinne wirken zu können, wurde im RĂŒckgriff auf das spanische Mittelalter die völlige konfessionelle Einigkeit des spanischen Volkes als erforderlich angesehen, was die Institution der Inquisition verbĂŒrgen sollte. Daher lehnte der Carlismus Religionsfreiheit strikt ab. Dass im Zuge der Debattierung des Entwurfs der Verfassung von 1869 die Carlisten in den Cortes im Streit um die GewĂ€hrung der Religionsfreiheit unterlagen, wird deswegen als einer der GrĂŒnde fĂŒr den erneuten Griff zu den Waffen wenige Jahre spĂ€ter angesehen.

Die Carlisten sahen die politische Entwicklung Europas im 19. Jahrhundert als die in eine europĂ€ische Revolution ĂŒbergegangene Französische Revolution an, welche ihrer Ansicht nach in allen europĂ€ischen LĂ€ndern, einschließlich Spaniens, fortwĂ€hrend im Sinne ihrer politischen Gegner, der Liberalen, am Werk war. Der Liberalismus galt als Quelle allen Übels der Moderne.cite-ref-beevor-64-26-2[26] In diesem Sinne Ă€ußerte sich der PrĂ€tendent Carlos (VII.) wie folgt: „Die spanische Revolution ist nur eines der Bataillone der großen kosmopolitischen Revolution. Wesentliches Merkmal der letzteren ist die vollstĂ€ndige Verneinung der Herrschaft Gottes ĂŒber die Welt; ihr Ziel besteht in der völligen Zerstörung der Grundlagen, welche durch das Christentum hervorgebracht worden sind und auf welchen die menschliche Gesellschaft begrĂŒndet ist.“ cite-ref-29[29] Die Carlistenkriege sowie der Spanische BĂŒrgerkrieg waren nicht nur politisch motiviert, sondern waren auch religiöse KreuzzĂŒge. So bezeichneten die Carlisten den Spanischen BĂŒrgerkrieg offen als cruzada (Kreuzzug).

Symbole des Carlismus

Symbol der Carlisten ist ein rotes Burgundisches Andreaskreuz (cruz de Borgoña) auf weißem Grund. Das Burgundische Andreaskreuz stellt mehr oder weniger stilisiert zwei gekreuzte, nur roh zurechtgeschnittene Äste dar. Es erinnert an das Martyrium des Apostels Sankt Andreas. Auf einem weißen, aber gelegentlich auch blauem oder auch in anderen Farben gehaltenen Feld war es seit dem 15. Jahrhundert – als Philipp der Schöne, ein Herzog von Burgund, es als persönliches Zeichen verwendete – die spanische Kriegsflagge sowie Flagge Neuspaniens. UrsprĂŒnglich handelte es sich um ein burgundisches Emblem – Schutzheiliger der Herzoge von Burgund war St. Andreas. In Verwendung war das Burgundische Andreaskreuz als Kriegsflagge bis 1843, als die 1785 eingefĂŒhrte rotgelbrote Seekriegsflagge (die in ihren GrundzĂŒgen der heutigen Flagge Spanien entspricht) auch fĂŒr den Krieg zu Land sowie als Staatsflagge verwendet wurde. Von 1843 an stand die carlistische Bewegung somit unter einer alten spanischen Flagge im Feld, was an das PhĂ€nomen der schwarz-weiß-roten und schwarz-rot-goldenen Flaggen in Deutschland erinnert. Auch in den ehemaligen hispano-amerikanischen Provinzen ist das alte burgundische Andreaskreuz bisweilen noch zu finden, so etwa als Flagge des bolivianischen Departamento Chuquisaca; es inspirierte unter anderem die Flagge der chilenischen Stadt Valdivia.

Die carlistische Tracht besteht in roten BaskenmĂŒtzen, von welchen eine goldene Kordel hĂ€ngt (auf Baskisch txapelgorri genannt).

Ihre Hymne ist die „Marcha de Oriamendi“, benannt nach einer Schlacht des Ersten Carlistenkriegs 1837.

Der Wahlspruch der Carlistenbewegung lautet Dios, Patria, Fueros, Rey („Gott, Vaterland, alte Vorrechte, König“. Man vergleiche das Motto der christlich-konservativen baskischen Partei EAJ/PNV: Jainkoa eta Lege Zaharrak – „Gott und das alte Recht“). Der Wahlspruch des Partido Carlista allerdings lautet Libertad, Socialismo, AutogestiĂłn, Federalismo („Freiheit, Sozialismus, Selbstverwaltung, Föderalismus“).

Die carlistischen PrÀtendenten

Erste carlistische Dynastie

‱ Carlos (V.) Maria Isidro de BorbĂłn y BorbĂłn-Parma (* 29. MĂ€rz 1788 in Aranjuez; † 10. MĂ€rz 1855 in Triest). BegrĂŒnder der ersten carlistischen Dynastie. Auch bekannt als Graf von Molina. PrĂ€tendent von 1833 bis 18. Mai 1845 (Abdankung). AnfĂŒhrer der Bewegung im Ersten Carlistenkrieg, von seiner Kontrahentin, der Regentin MarĂ­a Cristina am 16. Oktober 1833 zum Rebellen erklĂ€rt.

‱ Carlos (VI.) Luis de BorbĂłn y Braganza. Sohn des vorhergehenden PrĂ€tendenten (* 31. Januar 1818 in Madrid; † 13. Januar 1861 in Triest). Auch bekannt als Graf von MontemolĂ­n. PrĂ€tendent von 1845 bis 1860. Abdankung in Konsequenz seiner Gefangennahme durch Isabellas Truppen in Tortosa.

‱ Juan (III.) Carlos de BorbĂłn y Braganza. Bruder des vorhergehenden PrĂ€tendenten (* 15. Mai 1822 in Aranjuez; † 21. November 1887 in Brighton). Auch bekannt als Graf von Montizon. PrĂ€tendent von 1860 bis 1868. Wegen seiner Neigung zum Liberalismus zur Abdikation gezwungen, da ihm nach Ansicht der Carlisten keine „LegitimitĂ€t durch Taten“ (nicht nur durch Abstammung) zustand. 1883 wurde er Haupt der königlichen Familie der Capets und konnte damit den französischen Thron beanspruchen.

‱ Carlos (VII.) MarĂ­a de los Dolores de BorbĂłn y Austria-Este. Sohn des vorhergehenden PrĂ€tendenten (* 30. MĂ€rz 1848 in Laibach; † 18. Juli 1909 in Varese). Auch bekannt als Herzog von Madrid. PrĂ€tendent vom 3. Oktober 1868 bis 1909, 1873 im Santuario de Loyola zum spanischen König gesalbt. AnfĂŒhrer der Bewegung wĂ€hrend des Dritten Carlistenkrieges. Großvater des spĂ€teren PrĂ€tendenten Erzherzog Karl Pius von Habsburg-Lothringen-Toskana.

‱ Jaime (III.) de BorbĂłn y BorbĂłn. Sohn des vorhergehenden PrĂ€tendenten (* 27. Juni 1870 in Vevey; † 9. Oktober 1931 in Paris). Auch bekannt als Herzog von Madrid. PrĂ€tendent von 1909 bis 1931.

‱ Alfonso Carlos (I.) de BorbĂłn y Austria-Este. Onkel des vorhergehenden PrĂ€tendenten, Bruder Carlos’ (VII.) (* 12. September 1849 in London; † 29. September 1936 in Wien durch einen Verkehrsunfall). Auch bekannt als Herzog von San Jaime. PrĂ€tendent von 1931 bis 1936. Letzter mĂ€nnlicher Thronerbe der carlistischen Linie.

Mit Alfonso Carlos erlosch die erste carlistische Dynastie. Ein Enkel Carlos’ (VII.) trat jedoch zwischen 1943 und 1953 als „Carlos (VIII.)“ auf. Der Habsburger Erzherzog Karl Pius von Habsburg-Lothringen-Toskana (Carlos de Habsburgo-Lorena y BorbĂłn), ein Abkömmling des Kaisers Leopold II. vĂ€terlicherseits und Enkel Carlos’ (VII.) mĂŒtterlicherseits, beanspruchte als legitimer ThronanwĂ€rter der Ersten Carlistischen Dynastie gemĂ€ĂŸ der „lex salica“ als PrĂ€tendent die FĂŒhrerschaft der Bewegung, unterstĂŒtzt von einer Gruppe sogenannter „carlo-octavistas“.

Zweite carlistische Dynastie

Von 1936 bis 1952 gab es keinen offiziellen PrÀtendenten der carlistischen Bewegung. Als Regent diente in dieser Zeit Francisco Javier de Borbón-Parma.

Die BorbĂłn-Parma sind ein Zweig der Familie, der sich vom Stammhaus bereits im 18. Jahrhundert unter Philipp V. getrennt hat. Letzter gemeinsamer Vorfahr der Stammlinie, der ersten carlistischen Dynastie und der BorbĂłn-Parma war Philipp I. Herzog von Parma, dessen Tochter MarĂ­a Luisa als Ehefrau Carlos’ IV. Mutter sowohl Ferdinands VII. als auch des PrĂ€tendenten Carlos (V.) war. Abgesehen davon war die Ehefrau Carlos (VII.) eine BorbĂłn-Parma und somit Mutter Jaimes (III.).

Am 30. Mai 1952 erhob Francisco Javier selbst Anspruch auf den Thron und begrĂŒndete so die zweite carlistische Dynastie:

‱ Javier (I.) de BorbĂłn-Parma y Braganza, mit vollem Namen Francisco Javier, * 25. Mai 1889, † 7. Mai 1977, PrĂ€tendent von 1952 bis 1975 (Abdankung). Seit dem Jahr 1964 TrĂ€ger des Titels des Grafen von Molina.

‱ Carlos-Hugo (I.) de BorbĂłn-Parma y BorbĂłn, * 8. April 1930 in Paris, † 18. August 2010 in Barcelona, Sohn Francisco Javiers. Er fĂŒhrte auch den Titel eines Herzogs von Madrid.

‱ Carlos Javier (I.) de Borbón-Parma y Orange-Nassau, * 27. Januar 1970 in Nimwegen, Sohn Carlos-Hugos.

Als GegenprÀtendent der traditionalistischen Richtung der carlistischen Bewegung ist aufgestellt

‱ Sixto Enrique (V.)de BorbĂłn-Parma y BorbĂłn, GegenprĂ€tendent seit 1977. * 22. Juli 1940 in Pau. Auch bekannt als Herzog von Aranjuez.

Weitere PrÀtendenten

Die LegitimitĂ€t der Zweiten Carlistischen Dynastie war vor allem in ihren ersten Jahren nicht unumstritten. Obgleich die große Mehrheit der Carlisten Javier (I.) zunĂ€chst als Regenten und sodann als König anerkannte, akzeptierte eine Anzahl Carlisten ihn nicht als legitimen PrĂ€tendenten und wandte sich darum Personen aus der Hauptlinie der spanischen Bourbonen sowie einem Abkömmling Carlos’ (VII.) zu. Daneben gab es Carlisten, die weder die Zweite Carlistische Dynastie noch einen der nachfolgenden PrĂ€tendenten anerkannten.

‱ 1958 erkannte eine zahlenmĂ€ĂŸig starke Gruppe von Carlisten Juan de BorbĂłn y Battenberg, Graf von Barcelona, Vater des spĂ€teren spanischen Königs Juan Carlos, als Oberhaupt an.
‱ 1960 proklamierte eine zahlenmĂ€ĂŸig starke Fraktion auf dem Montejurra den Ă€ltesten Sohn Alfonsos XIII. Jaime (IV.) als PrĂ€tendenten,cite-ref-30[30] der eigentlich wegen seiner Taubstummheit die Rechte auf den spanischen Thron an seinen jĂŒngeren Bruder Juan, den Grafen von Barcelona, abgetreten hatte. Demnach wĂ€ren sein Sohn Alfons Jaime de BorbĂłn und gegenwĂ€rtig sein Enkel Louis Alphonse de Bourbon als carlistische PrĂ€tendenten anzusehen, allerdings haben sie nie einen solchen Anspruch erhoben.
‱ Carlos (VIII.), ein Enkel Carlos’ (VII.), beanspruchte die FĂŒhrung der carlistischen Bewegung von 1943 bis 1953; siehe oben zur Ersten Carlistischen Dynastie. Ihm folgten seine BrĂŒder Franz Josef und Anton. PrĂ€tendent der Carlo-Octavistas ist gegenwĂ€rtig der Sohn des letztgenannten, Dominic Habsburg-Lothringen als Domingo (I.), allerdings wird infolge vorangegangener nichtebenbĂŒrtiger Heiraten seine Eignung als PrĂ€tendent bestritten.cite-ref-31[31]

Triest – Sitz und Grablege der carlistischen PrĂ€tendenten

Ihren Hof hielten die carlistischen PrĂ€tendenten bis 1874 in Triest. Die Wahl Carlos’ (V.) fiel im Jahr 1847 auf diese Stadt, weil die Herzogin von Berry, die Schwester der Ehefrau Carlos’ (V.), ein GebĂ€ude in der Via Lazzaretto Vecchio Nr. 9 besaß, dessen ersten Stock sie selbst bewohnte. Den zweiten Stock des GebĂ€udes ĂŒberließ sie Carlos (V.). 1874 starb die Prinzessin von Beira, Carlos’ (V.) zweite Ehefrau, was dazu fĂŒhrte, dass Triest als Sitz der PrĂ€tendenten aufgegeben wurde.

Die Grablege der carlistischen PrĂ€tendenten ist die Kathedrale San Giusto zu Triest, die deshalb auch der „carlistische Escorial“ genannt wird. Hier sind die PrĂ€tendenten Carlos (V.), (VI.) und (VII.) und Juan (III.) beigesetzt, sowie

‱ die beiden Ehefrauen Carlos’ (V.) – MarĂ­a Francisca de AsĂ­s y de BorbĂłn (1800–1816) und die seit 1838 mit Carlos vermĂ€hlte MarĂ­a Teresa de Braganza y de BorbĂłn, Prinzessin von Beira (1793–1874),
‱ die Ehefrau Carlos’ (VI.) – María Carolina de Borbón-Dos Sicílias (1820–1861),
‱ der Infant Fernando de Borbón y de Braganza (1824–1861), Sohn Carlos’ (V.),
‱ Francisco JosĂ© Carlos de Habsburgo y de BorbĂłn (1905–1975), Enkel Carlos’ (VII.).

In Parzelle Nr. 111 des Friedhofs von Santa Anna zu Triest liegen darĂŒber hinaus 24 Mitglieder des carlistischen Hofgefolges. Diese Parzelle wurde 1868 von der Prinzessin von Beira angekauft; dem Grabstein sind die folgenden Worte zu entnehmen: Seguito dell’Augusta Signora Maria Teresa di Borbone, Contessa de Molina.

Die anderen PrÀtendenten wurden an anderen Orten bestattet:

‱ Jaime (III.), seine Mutter und Ehefrau Carlos’ (VII.), Margherita di Borbone-Parma, sowie Blanca de Borbón y Borbón-Parma, die Tochter Carlos’ (VII.) und Mutter Carlos’ (VIII.), in Viareggio (Italien),
‱ Alfonso Carlos und seine Frau, María de las Nieves de Braganza, im Schloss Puchheim (Österreich).
‱ Carlos (VIII.) fand seine letzte RuhestĂ€tte im Monestir de Santa Maria de Poblet (Spanien).
‱ Juan de BorbĂłn y Battenberg, der sich allerdings nicht als AnfĂŒhrer der carlistischen Bewegung verstand, wurde im Escorial beigesetzt, ebenso sein Bruder Jaime.
‱ Javier (I.) ist in der französischen Abtei Saint-Pierre de Solesmes beigesetzt.
‱ Carlos-Hugo (I.) ist in der Familiengruft in der Basilica di Santa Maria della Steccata in Parma beigesetzt.cite-ref-32[32]

Siehe auch

‱ Jakobiten – eine dem Carlismus Ă€hnliche Erscheinung in England
‱ Miguelistenkrieg – der portugiesische Konflikt zwischen Absolutismus und Liberalismus

Literatur

Zeitgenössische Darstellung

‱ Edward Bell Stephens: The Basque provinces, their political state, scenery, and inhabitants, with adventures amongst the Carlists and Christinos. London 1837 (Digitalisat).

Fachliteratur

‱ Martin Blinkhorn: Carlism and crisis in Spain 1931–1939. Cambridge University Press, Cambridge 1975, ISBN 978-0-521-08634-9.
‱ Mark Lawrence: Spain’s First Carlist War. Palgrave Macmillan, New York/London 2014, ISBN 978-1-349-48652-6 (einzige englischsprachige Monographie zum Ersten Carlistenkrieg).

Die folgenden BĂŒcher befassen sich mit der spanischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und behandeln in diesem Zusammenhang die Carlistenkriege und/oder den Carlismus mit unterschiedlicher AusfĂŒhrlichkeit:

‱ Gerald Brenan: The Spanish Labyrinth. An Account of the Social and Political Background of the Civil War. Nachdruck der Canto edition (Originalausgabe 1943). Cambridge University Press, Cambridge 1993, ISBN 0-521-39827-4, S. 203–215.

‱ deutsche Ausgabe: Die Geschichte Spaniens. Über die sozialen und politischen HintergrĂŒnde des Spanischen BĂŒrgerkrieges. Karin Kramer, Berlin 1978, ISBN 3-87956-034-X.

‱ Walther L. Bernecker: Spanische Geschichte. Von der Reconquista bis heute. 2., erw. u. bibl. aktualisierte Auflage (1. Auflage 2003). WBG, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-25084-4, S. 117f.
‱ Hugh Thomas: Der Spanische BĂŒrgerkrieg. BĂŒchergilde Gutenberg. Ullstein, Berlin 1964, S. 63–73.

Belletristik

‱ Karl May: Der Gitano. Ein Abenteuer unter den Carlisten. In: Gesammelte Werke, Band 48. Das Zauberwasser und andere ErzĂ€hlungen. Karl-May-Verlag, Bamberg/Radebeul 2000. ISBN 3-7802-0048-1.
‱ Ramón del Valle-Inclán: Der Karlistenkrieg. Romantrilogie. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-596-10699-0 (handelt vom Dritten Carlistenkrieg).

Weblinks

Commons

: Carlismus

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Commons

: Ikonografie: Der Erste Carlistenkrieg

– Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Wikisource: Spanische Verfassungen von 1808 bis 1978

– Quellen und Volltexte (spanisch)

Links zur Geschichte des Carlismus:

‱ Eine Übersichtskarte zum Ersten Carlistenkrieg (Memento vom 7. Oktober 2007 im Internet Archive) (PDF; 150 kB; spanisch) – weitere Karten zu den Carlistenkriegen (Memento vom 12. September 2007 im Internet Archive)
‱ Bildergalerie zum Carlismus mit historischen Bildern (italienisch)
‱ Spanischer BĂŒrgerkrieg: Galerie carlistischer Plakate und GemĂ€lde, Uniformen und Abzeichen der RequetĂ©s und zwei Fotoalben: requetes.com, requetes.com
‱ AusfĂŒhrliche Abhandlung zu den staatsrechtlichen und religiösen Vorstellungen und Zielen des Carlismus (englisch)
‱ Die Carlisten und die Fremdenlegion

Carlismus heute:

‱ Homepage des Partido Carlista – linker FlĂŒgel der Bewegung (spanisch) und des Partido Carlista de Euskal Herria
‱ Homepage der CTC – traditionalistischer FlĂŒgel (spanisch) – ErklĂ€rungen und Manifeste Sixto Enriques (Memento vom 23. Oktober 2004 im Internet Archive) (spanisch) – ein Manifest Sixto Enriques aus dem Jahr 2001 (deutsch)
‱ Homepage der Familie Bourbon-Parma (spanisch)
‱ Homepage der CT, einer weiteren traditionalistischen Gruppe

Einzelnachweise und Fußnoten

cite-note-11. ↑ Salvador de Madariaga: Spanien, S. 54.
cite-note-22. ↑ Salvador de Madariaga (Spanien, S. 51) gibt ein anschauliches Beispiel dieser Geisteshaltung anhand einer kleinen Episode aus CalderĂłns Schauspiel Das Leben ist ein Traum: „Als Sigismund Clotaldo, den Bediensteten des Königs, bestrafen will, der ihn gefangengehalten hatte, wirft einer der Anwesenden ein, alles sei auf Befehl des Königs geschehen. Darauf antwortet Sigismund: ‚En lo que no es justa ley / no ha de obedecer al Rey‘. ("Sprach der König wider Recht / That er, sich zu fĂŒgen, schlecht", vgl. im Projekt Gutenberg: Übers. Gries)“
cite-note-33. ↑ Brenan: Geschichte Spaniens, S. 53.
cite-note-44. ↑ Brenan: Geschichte Spaniens, S. 239.
cite-note-55. ↑ zit. nach Marion Höflinger, in: Geschichte mit Pfiff 7/92, S. 19.
cite-note-66. ↑ Ein Beispiel sind die von den PrĂ€tendenten wĂ€hrend des Ersten und Dritten Carlistenkriegs ausgegebenen Peseten, vgl. @1@2Vorlage:Toter Link/www.partidocarlista.com– (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Februar 2010. Suche in Webarchiven)
cite-note-77. ↑ Real Decreto de 30 de noviembre de 1833 in der spanischsprachigen Wikisource
cite-note-88. ↑ Gerald Brenan weist darauf hin, dass es sich hierbei um dieselben englischen Konservativen handelte, welche zu Hause in England die Emanzipation der Katholiken bekĂ€mpften.
cite-note-99. ↑ Convenio de Vergara in der spanischsprachigen Wikisource
cite-note-thomas31-1010. ↑ Thomas: Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 31.
cite-note-1111. ↑ Eberhard Horst: 15mal Spanien. Piper, MĂŒnchen / ZĂŒrich 1973, S. 314 f.
cite-note-121. tinet.org
cite-note-1313. ↑ Hugh Thomas: Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 63.
cite-note-1414. ↑ Beevor: Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 90.
cite-note-152. zit. nach Himno de Navarra in der spanischsprachigen Wikipedia
cite-note-beevor-65-1616. ↑ Beevor: Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 65.
cite-note-1717. ↑ Hugh Thomas: Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 47 f.
cite-note-1818. ↑ Hugh Thomas: Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 48.
cite-note-1919. ↑ Hugh Thomas: Der spanische BĂŒrgerkrieg, S. 63.
cite-note-2020. ↑ Rote MĂŒtzen. In: Der Spiegel. Nr. 1, 1969 (online).
cite-note-2121. ↑ Eberhard Horst, 15mal Spanien, Piper, MĂŒnchen, ZĂŒrich 1973, S. 315.
cite-note-2222. ↑ web.archive.org
cite-note-2323. ↑ Floren Aoiz: El jarrón roto. ISBN 84-8136-329-4: Diego Carcedo: Sáenz de Santamaría: el general que cambio de bando. ISBN 84-8460-309-1.
cite-note-2424. ↑ web.archive.org
cite-note-2525. ↑ Stanley Payne: Geschichte des Faschismus. Aufstieg und Fall einer europĂ€ischen Bewegung. Tosa-Verlag im Verlag Carl Ueberreuter, Wien 2006; S. 315.
cite-note-beevor-64-2626. ↑ Beevor: Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 64.
cite-note-2727. ↑ Francisco D. de OtazĂș: Himno Nacional. Marcha con o sin letra. In: Arbil. ISSN 1697-1388, Nr. 79.
cite-note-2828. ↑ Hugh Thomas: Der Spanische BĂŒrgerkrieg, S. 63.
cite-note-2929. ↑ Carlos (VII.): Manifest an die Spanier; La Tour de Peilz, Schweiz, 8. Dezember 1870, vgl. scalan.co.uk
cite-note-3030. ↑ Carlisten-Thronfolge. In: Der Spiegel. Nr. 20, 1964 (online).
cite-note-3131. ↑ maineworldnewsservice.com (Memento vom 9. Mai 2008 im Internet Archive)
cite-note-3232. ↑ Pieter Klein Beernink: Koning bij doop prins Carlos in Parma. In: De Telegraaf, 25. September 2016, abgerufen am 25. Mai 2019 (niederlĂ€ndisch).